Weder Milosevic noch Kostunica
Putsch in Belgrad: Kein Gewinn für
serbische Arbeiter
Im
Folgenden dokumentieren wir die Position der Internationalen Bolschewistischen
Tendenz, in der die Gruppe Spartakus organisiert ist, zu den
Präsidentschaftswahlen in Jugoslawien und zum Sturz Milosevic. In diesen
Ereignissen erwies sich die Politik (des Imperialismus) als Fortsetzung des
Krieges mit anderen Mitteln.
Die
Nachricht, daß der Erz-Privatisierer George Sorros und seine Open
Society Foundation nach Belgrad gehen, sollte in den Arbeiterinnen und
Arbeitern Serbiens und Montenegros nicht die Illusion wecken, der Niedergang
des verachteten Milosevic-Regimes sei ein Sieg. Der Austausch Milosevics gegen
Vojislav Kostunica, den vorgeblichen Demokraten und
moderaten Nationalisten, ist ein befriedigendes Ereignis für
den westlichen Imperialismus - aber kein Grund zur Freude für diejenigen,
denen das Wohl der Arbeiterklasse am Herzen liegt. Kostunica, bekennender
Anhänger des Freien Marktes, hat von Anbeginn an klar gestellt, daß
er die Privatisierung von Staatsindustrien beschleunigen und neue
Marktreformen einführen will. Das bedeutet
unmißverständlich, daß Serbien nun auch der Schocktherapie
durch IWF und Weltbank ausgeliefert ist. Eine Erfahrung, die bei Serbiens
Nachbarn im Norden und anderswo in der Welt bereits gemacht wurde.
Es gibt
weder einen Grund, Kostunicas Sieg zu feiern, noch einen, Milosevics
Niederlage zu betrauern. Zwischen dem alten und neuen Führer ist kein
qualitativer Unterschied. Die Differenz liegt nur in der genauen Form des
Kapitalismus, den sie favorisieren. Schließlich war es Milosevic, der,
zusammen mit den rivalisierenden Nationalisten Tudjman in Kroatien und Karadzic
und Izetbegovic in Bosnien, die kapitalistische Konterrevolution im ehemaligen
jugoslawischen deformierten Arbeiterstaat anführte.
Indem er den aggressiven serbischen Chauvinismus für seine Zwecke
benutzte, wurde Milosevic zu einem der Führer auf dem Weg zur
nationalistischen Zersplitterung der jugoslawischen Arbeiterklasse.
Natürlich war
Milosevic damals auf der Seite derer, die jene europäischen deformierten
Arbeiterstaaten und deren kollektivierte Wirtschaftssysteme zerstören
wollten, welche den Expansionsgelüsten der Imperialisten entgegenstanden.
Heutzutage rühren die rivalisierenden Nationalismen im Balkan die
Imperialisten zu Hysterie und Krokodilstränen; in den frühen 90er
Jahren hegte und pflegte der westliche Kapitalismus genau diese Nationalismen
als Mittel zur Konterrevolution, zur Öffnung von Industrien und
produktivem Reichtum zum Zwecke der Ausbeutung.
Milosevic und der
Imperialismus: Eine explosive Beziehung
Die
Zerstörung des früheren Jugoslawien war eine große Niederlage
für die Arbeiterklasse. Auf die serbisch dominierte Republik
Rest-Jugoslawien strömte eine Ära von Massenarbeitslosigkeit ein, die
das Durchschnittseinkommen auf ein Viertel des vorherigen Einkommens
drückte. Zur gleichen Zeit begann das nationalistische Blutvergießen
auf allen Seiten. Diese Art des chauvinistischen Fanatismus war notwendig, um
die Massenunterstützung für die rivalisierenden Kräfte der
kapitalistischen Restauration in den verschiedenen jugoslawischen Republiken zu
mobilisieren, die während der Zerstörung Jugoslawiens
unversöhnliche territoriale Ziele verfolgten.
Jahrzehntelange
stalinistische Schwächung der kollektivierten Wirtschaft und Beschneidung
der nationalen Rechte erwiesen sich als guter Ausgangspunkt für diese
nationalistischen Kampagnen. Von Anbeginn an war Milosevics Beziehung zum
westlichen Imperialismus jedoch widersprüchlich. Als serbischer
Nationalist wünschte er den Wiederaufbau einer jugoslawischen Republik mit
Serbien als dominantem Kern; dies paßte nicht in die Pläne der
Imperialisten - besonders nicht in jene des gerade vereinigten Deutschlands.
Während die USA ursprünglich versuchten, Jugoslawien intakt zu
halten, führte die deutsche Unterstützung der kroatischen und
slowenischen Unabhängigkeit schließlich zu einer imperialistischen
Übereinstimmung für die Zerstückelung der alten
Bundesrepublik.
Auf der
wirtschaftlichen Seite waren die Reformen für die westlichen Investoren zu
langsam. Ein großer staatseigener Sektor blieb, wenn auch
hauptsächlich als Geschenk an Milosevics Hof. Die Kooperation
mit dem Weltwährungsfond war begrenzt; Dauervisa für
IWF-Funktionäre wurden nicht gewährt. Trotzdem entstand zur Zeit des
Dayton Friedens-Abkommens ein vorläufiger Kompromiß.
Milosevics bereitwillige Übernahme der ihm vom Imperialismus zugeteilten
Rolle als starker Mann und stabilisierender Einfluß in der Region brachte
ihm politischen Kredit.
Das
Auftreten neo-liberaler und prowestlicher Elemente in den Massenprotesten nach
den Gemeindewahlen 1996 weckte jedoch imperialistische Appetite auf einen
gefügigeren jugoslawischen Führer; Milosevic wurde zum Stein des
Anstoßes und geriet zunehmend in Mißkredit. Während der Westen
die Augen vor den Grausamkeiten gegen die Serben in Kroatien und Bosnien
verschloß, denunzierte er heuchlerisch vergleichbare Aktionen der Serben
und stellte Milosevic als Ausbund des Bösen dar: Der furchtbare Diktator,
der nicht genügend mit seiner stalinistischen Vergangenheit gebrochen
hatte, im Gegensatz zu den Führenden in Slowenien oder Kroatiens Tudjman,
der es vorzog, sich deutlich auf die pro-Nazi Ustasha-Tradition zu
beziehen.
Westliche Feindschaft gegen Milosevic wächst
Die Krise
im Kosovo erwies sich als wunderbare Gelegenheit für die Imperialisten und
Imperialistinnen, den Druck zu vergrößern. Februar 1999 in
Rambouillet boten sie der albanischen Mehrheit des Kosovo, die berechtigter
Weise das Recht auf Abtrennung forderten, nur wenig an. Aber Milosevic machten
sie ein Angebot, das er ablehnen mußte. Hätte Jugoslawien die
beleidigende Friedens-Provokation unterzeichnet, wäre die
eigene Souveränität total der NATO untergeordnet worden. Die
US/NATO-Attacke entfesselte die volle Kraft des imperialistischen Zorns gegen
Serbien.
Die
Imperialisten hofften darauf, daß der Bobenterror zum Sturz des Milosevic
Regimes führen würde. Zu diesem Zweck warb Washington,
unterstützt vom deutschen Imperialismus, ein uneinheitliches Sortiment von
Milosevic-Opponenten als demokratische Alternative an. Doch
diese Elemente waren zu tief entzweit und durch ihre Assoziation mit der NATO
und den USA zu kompromittiert in der serbischen Bevölkerung, um brauchbar
zu sein.
Dementsprechend
änderte die Clinton-geführte Kampagne ihren Kurs: Washington und die
Regierungen der Europäischen Union signalisierten der führenden Elite
in Belgrad, daß sie, statt Milosevics Regime insgesamt loszuwerden, sich
damit begnügen würden, den Präsidenten und seine engsten
Unterstützer in einem begrenzteren Putsch auszutauschen.
Das
Auftauchen einer vereinigten Opposition unter der Führung von Vojislav
Kostunica erfüllte diese Voraussetzung. Durch eine Kombination von
imperialistisch auferlegten Sanktionen und bürokratischer Korruption des
Regimes war Milosevics Clique enorm unpopulär geworden. Milosevics
Versuch, durch Wahlbetrug an seinem Amt festzuhalten, verärgerte die klare
Mehrheit der Wähler, die für Kostunica gestimmt hatten. Dieser
Ärger wurde zum Ursprung des populären Unmuts, der mit der
Frustration der Arbeiter über ihren ständig sinkenden Lebensstandard
zusammen traf. Die scheinbare Sackgasse bei den Wahlen erlaubte allen Sektoren
der Gesellschaft, ihre Opposition zum Regime auszudrücken und damit ihre
Unterstützung für Kostunica als angeblich moderate, demokratische
Alternative. Dies schloß streikende Arbeiter in den
Schlüsselindustrien ein. Es war die Pflicht von Revolutionären, diese
Streiks und die verhafteten Streikenden zu verteidigen; gleichzeitig
mußte auf die völlige Untauglichkeit Konstunicas als Alternative
hingewiesen werden.
Passend zu
den imperialistischen Hoffnungen, bedeuteten die jüngsten Wahlen und die
sie umgebende politische Krise wohl kaum eine Revolution - obwohl
sie eine Menge zivile Unruhe provozierten, einschließlich der
Mobilisierung der Schlüsselsektoren der Arbeiterklasse durch Streiks und
Demonstrationen. Nach allen Berichten war der Grund für Milosevics
plötzliche und unerwartete Nachgiebigkeit die Forderung des Offizierskorps
der Armee nach Abdankung. In den folgenden Auseinandersetzungen zwischen dem
neuen Präsidenten und der alten Elite ging es unter eindeutigen Warnungen
der Armee- und Polizei-Führungen darum, wie weit die Säuberungen im
Palast gehen dürfen.
Imperialistische Einmischung
Vojislav
Kostunica war der bevorzugte Kandidat des Imperialismus; die Reaktion der
verschiedenen imperialistischen Regierungen auf Milosevics Manöver nach
den Wahlen sollte daran keinen Zweifel lassen. Deutschlands
sozialdemokratischer Kanzler Schröder versuchte umgehend, Belgrad von
Moskau zu isolieren, indem er Druck auf den russischen Präsidenten Putin
ausübte, den Sieg Kostunicas im ersten Wahlgang anzuerkennen. Der
britische Labour Außenminister Robin Cook drohte Belgrad, daß die
erhebliche westliche Militärpräsenz bei und um Serbien dem
jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic 'eine Warnung' sein
sollte (Berliner Zeitung, 27
September 2000). Um der Warnung Nachdruck zu verleihen, schickte Tony Blair den
britischen Flugzeugträger Invincible und den Hubschrauberträger
Ocean ins Mittelmeer zum Treffen mit der US-Flotte. In einem extrem
zynischen Manöver boten die imperialistischen Agenturen Subventionen
für die Löhne der serbischen Arbeiter an, als Dankeschön
für den Sturz Milosevics. Arbeiter bedenkt Wes Brot ich eß',
des Lied ich sing"!
Schon vor
den Wahlen ließen die Imperialisten die serbische Bevölkerung
wissen, wie gut es wäre, für Kostunica zu stimmen. Die Sanktionen,
sagten sie, würden mit Milosevic verschwinden. Außerdem würden
erhebliche Hilfen zum Wiederbau der kriegserschütterten und von Sanktionen
belasteten serbischen Wirtschaft bereit stehen.
Die
Imperialisten werden jedoch nicht alles bekommen, was sie wollen. Sie
können Kostunica gern als moderaten Nationalisten porträtieren, die
nationalistischen Appetite des neuen Präsidenten sind denen eines
Milosevic wert. Als junger Akademiker wurde Kostunica von seinem Posten an der
Belgrader Universität gefeuert, weil er die damalige neue jugoslawische
Verfassung, die dem Kosovo Autonomie gab, als anti-serbisch
bezeichnete. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens hielt Kostunica seine
großserbische Vision für Montenegro, den Kosovo und Teile Kroatiens
und Bosniens aufrecht. Er kritisierte Milosevic für sein Versagen, diese
Vision zu verwirklichen. 1992 trat Kostunica aus der Demokratischen
Partei von Zoran Djindinc aus mit der Begründung, diese sei von ihrer
harten nationalistischen Linie abgegangen, und gründete seine eigene
kleine Demokratische Partei Serbiens. Ein Jahr vor dem Krieg im Kosovo besuchte
dieser gemäßigte Nationalist die serbischen Truppen in
voller paramilitärischer Uniform, eine Kalaschnikow schwingend, und
sicherte seine Unterstützung zu.
Imperialistisches Geld setzt auf Kostunica
Schon
jetzt hat Kostunica eine ganze Reihe von Differenzen mit dem Imperialismus
klargestellt. Er ist nicht für die Übergabe Milosevics an den Westen
für einen Kriegsverbrecherprozeß, und er ist auch gegen die
Abtrennung des Kosovo von Serbien. Mit der Kosovo-Differenz können die
Imperialisten leben. Schließlich waren sie wegen der
uneinschätzbaren Auswirkungen, die die Grenzverschiebungen in der Region
haben würden, nie so scharf auf die Unabhängigkeit der
Kosovo-Albaner. Und Milosevic kann wahrscheinlich auch warten.
Kostunicas
langjährige Vergangenheit als überzeugter Anti-Kommunist und seine
Verpflichtung zur liberaleren Wirtschaft des Freien Marktes macht ihn,
zumindest zu diesem Zeitpunkt, zum Favoriten. Tatsächlich sucht Kostunica
den echten Kompromiß und ist westlichen Vorschlägen gegenüber
offen, denn er versteht, daß der großserbische Chauvinismus gegen
den Willen des Westens nicht erfolgreich sein kann. Er scheint deshalb wirklich
zu wollen, daß Serbien der glücklichen Familie Europas
beitritt. Im Gegensatz zu Milosevic ist er ein Diamant, dem die scharfen Ecken
geschliffen werden könnten.
Der
westliche Kapitalismus hat große Pläne für Projekte in
Südosteuropa. Dazu braucht er Stabilität. Die Installation der D-Mark
als zweite offizielle Währung in vielen osteuropäischen Ländern,
einschließlich Teilen Jugoslawiens (Montenegro und Kosovo), setzte den
wirtschaftlichen Rahmen für zunehmenden Handel und Investitionen. Der
Stabilitätspakt für Südosteuropa setzte im Juni 1999
den politischen Rahmen (siehe Junge Welt, 15. September 2000). Für die Imperialisten wird
der Gewinn aus ihrer Unterstützung für Kostunica nicht so sehr die
serbische Wirtschaft an sich sein, da es viel westliches Geld aber wenig
serbische Wirtschaft gibt. Jugoslawiens Bedeutung ist das eines entscheidenden
Zentrums im Balkan: alle wesentlichen Versorgungswege führen durch
serbisches Territorium. Das ist der wirkliche Grund für die
Schlußfolgerung der Imperialisten, daß freier und effektiver Handel
in dieser Region Belgrads Integration voraussetzt (siehe
Junge Welt, 11. Mai 2000).
Dem stand
Milosevic im Weg, dessen Mangel an Kooperation und dessen Beibehaltung des
Staatseigentums als Barriere zum freien Schalten und Walten der internationalen
und auch lokalen Kapitalisten funktionierte. Es ist nicht nur das
multinationale Kapital, das ein Interesse in der Region hat: da sind auch die
sich entwickelnden Geschäfte der nahen Nachbarn, wie Ungarn, die die neue
Öffnung durch Kostunicas Wahl willkommen heißen.
Wer verliert?
Die
Albaner, die die Provinz Kosovo dominieren, haben bereits erkannt,
daß der Weggang Milosevics ihnen ihren wichtigsten Trumpf genommen hat.
Wie Krasniqi, Generalsekretär der PDK (früher UCK) deutlich zugab,
Ein Sieg Milosevics würde uns in eine bessere Position bringen, denn
die Verbrechen, die er begangen hat, sind in der gesamten Welt bekannt
(Berliner Zeitung, 30. September
2000). Jetzt erhalten sie die Quittung für ihr Vertrauen in die
imperialistische Humanität. Die Tausende von Flüchtlingen
aus dem Balkan, besonders zahlreich in Deutschland, werden ebenfalls
große Verlierer sein. Mit dem Siegel der Imperialisten, daß die
Region nach Milosevics Beseitigung nunmehr stabil sei, werden sie
ihren Status als Bürgerkriegsflüchtlinge verlieren und
Opfer schneller Abschiebungen sein. Die deutsche Arbeiterbewegung
muß sich verstärkt gegen alle zwangsweisen Deportationen von
Flüchtlingen einsetzen.
Die bei
weitem größten Verlierer sind jedoch die serbischen Arbeiter. Ihnen
drohen verstärkte Armut und Not durch Preisderegulierung, Privatisierungen
und Schließungen von Industrien, während Serbien die Rezepte des IWF
und anderer imperialistischer Agenturen probiert. Kostunica hat den Westen
aufgerufen, wirtschaftliche Hilfen, vergleichbar denen des Marshall-Plans nach
dem Zweiten Weltkrieg, zu leisten. Hilfen von solchem Ausmaß werden
jedoch nicht gegeben werden. Die sowjetische Bedrohung existiert nicht mehr und
deshalb ist der Preis, den Serbien fordern kann, erheblich niedriger als der
für Europa im Jahre 1945. Kurzfristig wird das Ende der Sanktionen
zusammen mit dem bereits zugesagten Hilfspaket natürlich einen
erleichternden Effekt auf die augenblicklichen Bedingungen haben. Wenn jedoch
die IWF/Weltbank Marktreformen implementiert sind, werden die
Preise steigen, die Löhne sinken und Massenarbeitslosigkeit wird alle
temporären Verbesserungen ersticken. Die serbischen Arbeiter sollten keine
Illusionen haben.
Die Lehren des Kampfes
Im Kampf
gegen Milosevic hatten die Arbeiter den seltenen Geschmack des Erfolgs bei
ihren direkten Aktionen. Soweit die Streikmobilisierungen dazu beitrugen,
Milosevic loszuwerden, erlebten die Arbeiter die Art von politischem Sieg, die
sie zu einer Kraft machen kann, mit der man in der Zukunft rechnen muß.
Die konkreten Konsequenzen des anti-Milosevic-Kampfes sind jedoch eine
Regierung, die, trotz ihres demokratischen Mäntelchens,
höchstwahrscheinlich rechter als ihre Vorgängerin ist.
Um den
Ereignissen ihren eigenen Stempel aufzudrücken, hätte die
Arbeiterklasse vollständig mit dem pro-kapitalistischen
Oppositionsbündnis brechen müssen. In diesem Fall hätten die
Massenstreikorganisationen als Basis dienen können, um den ganzen
verrotteten, bürgerlich-nationalistischen und Freien-Markt-Schrott vom
Tisch zu wischen und die eigene Herrschaft für alle Arbeiter und
Unterdrückten zu errichten. Um das zu erreichen ist es notwendig, eine
multinationale revolutionäre Partei des Balkans zu schmieden, basierend
auf den Perspektiven von Lenin und Trotzkis Dritter (Kommunistischer)
Internationale, die die Führung im internationalen Klassenkampf
übernehmen kann.
Revolutionäre
hätten die serbischen Arbeiter und Arbeiterinnen gegen Repression
verteidigt, aber sie hätten die Forderung für die Amtsübernahme
Kostunicas nicht unterstützt. Die Pseudo-Revolutionäre in der
britischen Socialist Workers Party und ihre Unterstützer in der
International Socialist Organisation (in Deutschland: Linksruck) behaupten, die
Massenmobilisierungen für den Austausch von Milosevic gegen Kostunica
waren eine Revolution, jedoch eine, die nicht weit genug ging:
Die Revolution muß viel tiefer gehen und sich ausweiten. (Socialist Worker, Nr. 1718, 14. Oktober
2000). Tatsächlich war es gar keine Revolution. Das Problem mit der
populären Protestbewegung, die einen Freie-Marktwirtschafts-Nationalisten
unterstützte, war nicht, daß sie nicht weit genug ging sondern
daß sie in die völlig falsche Richtung marschierte.
Die
Arbeiter aufzufordern, Kostunica an die Macht zu bringen, hieß sie in die
Irre zu führen und sie von dem Programm zu entfernen, das für den
revolutionären Kampf gegen Kapitalismus und Nationalismus notwendig ist.
Während die ISO versuchte, den Einfluß der Arbeiterklasse auf die
Oppositionsbewegung zu verstärken, war es essentiell, die Arbeiterklasse
von Kostunica und Co. zu trennen, so daß die Arbeiter durch
sozialistische Revolution der Gesellschaft ihren eigenen Stempel
aufdrücken.
Die
zahlreichen imperialistischen Truppen in Bosnien, dem Kosovo und die neuen
Partner für den Frieden der NATO sind wichtige und
gefährliche Hindernisse für den wirklichen revolutionären Kampf
der Arbeiter auf dem Balkan. Es ist deshalb eine lebenswichtige Aufgabe
klassenbewußter Militanter im Westen, ihre eigenen Klassenfeinde zu Hause
zu besiegen und die imperialistische Präsenz auf dem Balkan zu
bekämpfen. Der historische Weg vorwärts für Jugoslawien kann
nicht durch die Unterordnung unter den IWF und die anderen imperialistische
Agenturen geöffnet werden sondern nur durch internationalen Klassenkampf,
basierend auf der Perspektive der Integration einer sozialistischen
Balkanföderation in die Vereinigten Sozialistischen Staaten von
Europa.
Nein zur Privatisierung! Imperialisten, Hände weg von
Jugoslawien und dem Balkan! Weder Milosevic noch Kostunica! Alle Macht
der Arbeiterklasse! |