Die E-Mail vom 1.10.01 der MAK an die Gruppe Spartakus:
Hallo Genossen und GenossInnen,
eure Stellungnahmen zum Terroranschlag auf das WTC und die
Folgen habe ich erhalten. Sie überzeugen mich nicht wirklich. Insbesondere
die folgenden Passagen halte ich für nicht stichhaltig. Ihr schreibt:
"...Ein massiver imperialistischer Militärschlag gegen
Afghanistan und/oder den Irak wäre eine Katastrophe, die Tausende weiterer
unschuldiger Opfer hervorbringen und letztendlich die Kräfte der islamistischen
Reaktion in der Region stärken würde.
Für den Weltsozialismus!
Revolutionäre müssen eine Position der bedingungslosen
militärischen Verteidigung jedes neo-kolonialen Ziels imperialistischer
Angriff vertreten. Es ist die Pflicht klassenbewusster amerikanischer Arbeiter,
sich der Flutwelle chauvinistischen Drecks standhaft entgegenzustellen und
die historischen Interessen der amerikanischen Arbeiter nicht aus dem Auge
zu verlieren. ..."
Die Frage ist doch gegen wen sich ein Militärschlag richtet.
Eine Zerstörung der militärischen Basen der Taliban ist zu befürworten,
denn dieses Regime ist qualitativ einem faschistischen Regime gleichzustellen
und muss aus der Welt geschafft werden.
Um Pol Pot und seine blutigen Khmer Rouge zu beseitigen gab
es damals ein Vietnam, dass der geschundenen Bevölkerung im Nachbarland
zu Hilfe kam. Den geschundenen Afghanis hilft keiner.
Man kann nicht gleichzeitig für den Weltsozialismus propagieren
und die bedingungslose militärische Vereidigung der Taliban-Verbrecher
fordern. Oder versteht ihr etwas anderes unter "jedes neo-kolonialen Ziels
imperialistischer Angriff" (Grammatik?).
Es ist doch ein Märchen zu glauben, man könnte die
Islamisten mit gutem Zureden bezwingen. Oder vielleicht schicken wir ein
paar Sozialarbeiter hinunter.
Eure Schwäche ist wie immer der voreilige Schluss und
die mangelnde Ideologiekritik. KommunistInnen müssen endlich die reaktionären
Ideologien kritisieren und bekämpfen. Die Imperialisten für Dinge
zu kritisieren, die sie _nicht_ getan haben ist nicht glaubwürdig. Wir
müssen sie dafür kritsieren was sie wirklich getan haben. Ihr solltet
nicht spekulieren, wie es die "Antiimperialisten" tun.(siehe: junge Welt)
Erlaubt mir zu sagen, dass es oft einen Unterschied gibt zwischen
den Reden und den Taten. Nicht nur beim Großmaul Saddam Hussein, auch
beim Großmaul Bush, dessen Rhetorik sich nach den Tiraden der ersten
Woche deutlich abgekühlt hat.
mrevg Heribert
"Dieselbe Politik, die eine bestimmte Großmacht, eine bestimmte Klasse
innerhalb dieser Großmacht lange Zeit hindurch vor dem Krieg verfolgte,
setzt diese selbe Klasse unvermeidlich und unausbleiblich während des
Krieges fort, wobei sie nur die Form des Handelns ändert"
(Lenin: "Krieg und Revolution"; LW Bd. 24, S. 397)
Nach dem Terroranschlag gegen das WTC und das Pentagon hat es in den entwickelten
kapitalistischen Ländern eine chauvinistische Mobi-lisierung für
Krieg gegen den 'Terrorismus' gegeben. Ziel der herrschenden Klasse dieser
Länder war die nationale Einheit, um zum einen den imperialistischen
Angriffskrieg gegen Afghanistan vorzubereiten, und zum anderen massive Angriffe
auf die soziale Lage der arbeitenden Klasse durchzuführen.
In so gut wie allen Bereichen der Wirtschaft werden Massenentlas-sungen angekündigt
oder durchgeführt. Vielen Arbeitern soll ihr Rausschmiss als eine Art
patriotische Handlung verkauft werden, zu der es im Angesicht des 'weltweiten
Terrors' keine Alternative gäbe. Die Gewerkschaftsführung hat zwei
Tage nach den Terroranschlägen den Schulterschluss mit den Bossen gesucht.
Eine gemeinsame Schweige-minute signalisierte, dass die bürokratische
Führung auch nach dem 11. September jede Umverteilung des Reichtums
von unten nach oben und den Burgfrieden mitträgt.
In Deutschland gibt es nur wenig Protest gegen den Krieg. Die Anti-Kriegsdemonstrationen
sind spärlich besucht und von Pazifisten dominiert, die mit den Slogans:
"Stoppt den Krieg", "Die Gewaltspirale durchbrechen" klar machen wollen,
dass der Imperialismus schon recht hat, wenn er sich als armes Opfer aufführt,
dass er nur bitte, bitte keine Bomben schmeißen soll.
Wir, die Gruppe Spartakus, formulierten nach dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien
1999 in der Ausgabe Nr. 13 (Januar 2000) des BOLSCHEWIK eine fundierte Kritik
an der (links-) pazifistischen und reformistischen Linken. Wir nannten nicht
umsonst die Ausgabe "Die Linke zwischen den Kriegen". Deshalb waren wir nicht
so naiv zu glauben, dass der Imperialismus seinen weltweiten Siegeszug nach
der Konterrevolution in Russland (August 1991), nach dem Angriff auf den
Irak (1991), den Interventionen in Somalia (1992-95) und Bosnien (seit 1995)
sowie dem Angriff auf Jugoslawien (1999) so einfach beenden wird. Denn Imperialismus
bedeutet den Griff nach der Weltherrschaft und die Unterwerfung von ganzen
Regionen und Milliarden von Menschen unter die Interessen des imperialistischen
Großkapitals mit allen ökonomischen, diplomatischen und militärischen
Mitteln. Wir waren daher nicht so naiv wie Heribert von der MAK, der uns
noch wenige Tage vor Kriegsausbruch belehren wollte, "dass es oft einen Unterschied
gibt zwischen den Reden und den Taten. Nicht nur beim Großmaul Saddam
Hussein, auch beim Großmaul Bush, dessen Rhetorik sich nach den Tiraden
der ersten Woche deutlich abgekühlt hat." Wer dagegen den Unterschied
zwischen Neokolonien und Imperialisten begreift, weiß: Im Unterschied
zu Hussein ist Bush ein Großmaul, das kann.
Wir treten im imperialistischen Krieg gegen Afghanistan für die Niederlage
des Imperialismus und damit für einen militärischen Sieg Afghanistans
ein. Wir stehen auf der Basis des leninistischen Pro-gramms, das Halbkolonien
gegen den Zugriff von Imperialisten verteidigt, ohne ihre Regime in irgendeiner
Form politisch zu unterstützen.
Die "Marxistische Kritik" (MAK), ein Zeitungskollektiv aus dem "Offenen Kommunistischen
Forum", bezog beim Ausbruch des Krieges 1999 eine Position, die zur Niederlage
der NATO-Truppen aufrief (vgl. Infoblatt Nr.1, 2.4.1999).
Keine 2 1/2 Jahre später findet sich die "Marxistische Kritik" im imperialistischen
Kriegslager wieder.
Der anti-kommunistische Standpunkt der MAK
Die MAK erklärt auf ihrer Internetseite (www.okf-sued.org),
dass der imperialistische Angriffskrieg gegen Afghanistan kein "ungerechter
Krieg" sei, und ruft zum Krieg gegen den "inhumanen Islamismus" auf. In den
Artikeln während des Krieges wird den Imperialisten der Rücken
gestärkt und zur Unterstützung der Nordallianz aufgerufen. Im Sinne
der kleinbürgerlichen anti-nationalen und anti-deutschen Linken werden
die islamischen Bewegungen als faschistisch bezeichnet.
Ein Wesensmerkmal des Faschismus ist die Mobilisierung einer kleinbürgerlichen,
terroristischen Massenbewegung zur Zerschlagung und nachhaltigen Atomisierung
der Arbeiterbewegung. Die Taliban mit ihren paar Zehntausend Soldaten waren
keine tief in der Bevölkerung verwurzelte Massenbewegung; sondern von
Pakistans Geheimdienst finanzierte und nach Afghanistan (re-) importierte
extrem reaktionäre Kriegsherren. Sie bezogen ihre scheinbare Stärke
vor allem aus der allgemeinen Ermüdung der afghanischen Gesellschaft
nach Jahren des Bürgerkrieges. Wenn in Afghanistan jemand die ohnehin
schwache Arbeiterbewegung und Linke verfolgt, ermordet und ins Exil getrieben
hat, dann waren dass bereits die Mudschaheddin der Nord-Allianz nach dem
Abzug der Sowjetarmee und dem Fall Kabuls.
Der von der MAK zur Charakterisierung der Taliban verwandte Faschismusbegriff
bleibt unklar. Es liegt der Verdacht nahe, dass hier mal wieder inflationär
damit umgegangen wird, weil dieses Wort den Vorzug hat, bei manchen Linken
den Verstand auszuschalten und jeden Verrat zu rechtfertigen. Unsere bedingungslose
militärische Verteidigung einer Neokolonie gegen den Imperialismus ist
allerdings explizit unabhängig vom politischen Charakter des Regimes.
Für uns sind nicht die Staatsform oder die reaktionäre Ideologie
der beteiligten Regierungen ausschlaggebend sondern ihre Stellung und Macht
in der imperialistischen Weltordnung. Kein Taliban-Terror kann soviel Elend
über den Globus verbreiten wie die Weltherrschaft der westlichen Demokratien.
In Verdrängung dieser Wirklichkeit wertet die MAK mit dem gleichen Sprachgebrauch
wie die US - Regierung die Anschläge vom 11. September als Angriff auf
die USA. Wirkliche Marxisten lehnen den Terrorismus gegen Zivilisten grundlegend
ab. Wir stellen aber auch fest, dass der US-Imperialismus nicht der Anwalt
der Opfer des World Trade Centers ist, die sich aus über 80 Nationalitäten
zusammensetzen.
Genauso wenig wie die MAK den imperialistischen Charakter des Krieges erkennt,
genauso wenig hat die MAK Kritik am Hauptfeind im eigenen Land. Zwar wird
der Kriegseinsatz deutscher Truppen abgelehnt - aber nicht aus marxistischen
Gründen. Deutschland habe "keine direkte Verantwortung" und solle sich
"neutral" verhalten. Marxisten sollten wissen, dass es keinen neutralen Imperialismus
gibt. Die Imperialisten verfolgen ihre Interessen weltweit und haben daher
immer eine "direkte Verantwortung".
Kein Wort verliert die MAK über die Behandlung afghanischer Flüchtlinge
vor dem 11. September 2001 in Deutschland oder die rassistischen und anti-demokratischen
Gesetzesverschärfungen der 'rot'-grünen Kriegsregierung. In einer
E-Mail an uns beklagt Heribert von der MAK, "den Afghanis hilft keiner" -
außer den Imperialisten meint er. Doch auch die Imperialisten helfen
mit ihrer Intervention in Afghanistan (wie im Kosovo) nur sich selbst und
ihren geostrategischen und Öl-Interessen. Alles andere ist eine Fassade
vor zutiefst rückständigen Sozialverhältnissen und vorübergehende
humanitäre Kosmetik wie die gelben Care-Pakete zu Beginn der Bombardierungen
- inszeniert für die momentane Medienpräsenz. Kaum war der Kosovo
aus den Schlagzeilen geraten und Milosevic gestürzt, schrumpfte die
Finanzhilfe für den Balkan-Stabilitätspakt von versprochenen Milliarden
auf tatsächliche Milliönchen. Was dagegen bleibt, ist die imperialistische
Besatzung und Kontrolle des Balkans.
Wer so eine bizarre Kriegsposition bezieht wie die MAK, muss die Realität
übersehen. Das Bündnis aus Imperialisten und Anti-Taliban-Kräften
wird als "antifaschistisch" und "republikanisch" bezeichnet. Doch wie sieht
die Realität dieses Bündnisses aus? Lassen wir dazu die kleinbürgerliche
Frauenorganisation RAWA (Revolutionäre Vereinigung der Frauen Afghanistans),
deren Illusionen in den König Zahir Schah und in die UNO abzulehnen
sind, zu Wort kommen: "Die Welt muss verstehen dass die Nordallianz aus einigen
Banden zusammengesetzt ist, die bereits ihre wirkliche kriminelle und unmenschliche
Haltung gezeigt haben, als sie Afghanistan von 1992 bis 1996 regiert haben."
Und weiter: "Auch wenn die Nordallianz es gelernt hat vor dem Westen manchmal
als "demokratisch" und sogar als Unterstützende von Frauenrechten zu
posieren, haben sie sich in Wirklichkeit jedoch überhaupt nicht verändert,
genauso wenig wie ein Leopard seine Flecken ändern kann" (beide Zitate
aus einer RAWA-Erklärung vom 13.11.01).
Die Verhandlungen von Petersberg: Hoffnung für die afghanischen
Massen?
Schon kurz nach dem Zustandekommen der Petersberger Erklärung
Anfang Dezember 2001 gibt es im Anti-Taliban-Bündnis Widerstand gegen
die Beschlüsse. Doch die MAK begrüßt die Ergebnisse der Bonner
Verhandlungen und sieht in ihr das Entstehen einer bürgerlichen Demokratie
in Afghanistan. Nach der Definition der MAK ist also ein Land, das von Kriegsherren
und Stammesfürsten (Loja Dschirga) regiert wird, eine bürgerliche
Demokratie. Die 'demokratischen Fortschritte' sind denn auch so unübersehbar,
dass nur 'verblendete Trotzkisten' sie nicht erkennen können: In Afghanistan
gibt es zwar immer noch Steinigungen von EhebrecherInnen und öffentliche
Hinrichtungen, doch laut neuem Justizministerium würden nur noch kleinere
Steine benutzt und die öffentliche Zurschaustellung der Gehenkten sei
auf 15 Minuten begrenzt worden. Mit der Einigung von Petersberg ist Afghanistan
ein Land, das vollkommen vom Imperialismus (NATO-Staaten stellen unter UNO-Mandat
eine Schutztruppe) abhängig ist. Mit der Entscheidung, dass in drei
Monaten die Völkermordarmee der Türkei die Schutztruppe in Kabul
führen wird, haben die humanitären Imperialisten jeden demokratischen
Anschein fallen gelassen.
Nicht nur die Führer der Nord-Allianz haben eine unrühmliche Vergangenheit.
Das gilt auch für den neuen Regierungschef. Karsai, der neue Herrscher
von Afghanistan, war auch schon vor 20 Jahren im imperialistischen Boot,
als die CIA die reaktionär-islamischen Kräfte gegen die pro-sowjetische
Regierung in Kabul unterstützte. Karsai wiederum unterstützte von
1994 bis 1999 die Taliban. Nach der Logik der MAK war also Karsai auch einmal
Faschist. Und um die Verwirrung komplett zu machen, die ein inflationärer
Faschismusbegriff stiftet, sei darauf hingewiesen, dass Israel bis 1997 das
Taliban-Regime unterstützte und dass der 'gute' alte König Shah,
der Führer der Rom-Gruppe auf dem Petersberg, ein Nazi-Lover war, der
einst Deutschland einen erfolgreichen 2. Weltkrieg und sich selbst ein Groß-Afghanistan
bis zum Indus wünschte.
Permanente Revolution gegen Imperialismus und Krieg
Afghanistan ist weit davon entfernt, einen qualitativen Schritt
in Richtung Fortschritt, Demokratie sowie Frauen- und Menschenrechte zu machen.
Wir verwerfen die Idee, dass der Imperialismus heute in unterentwickelten
Ländern Fortschritt und Freiheit bringen wird. Der degenerierte Arbeiterstaat
Sowjetunion unterstützte ein links-nationalistisches Regime, das versuchte,
Afghanistan mittels nationaler Modernisierung aus dem Mittelalter in die
Gegenwart zu führen. Die Stammesfürsten Afghanistans wussten, dass
eine nationale Einigung ihre Stämme überflüssig machen wird.
Deshalb griffen sie zu den Waffen und wurden dabei schon vor der Sowjetinvasion
vom US-Imperialismus ausgebildet und angeleitet. So beteiligten sich die
USA direkt am Aufbau der islamisch-fundamentalistischen Mudschaheddin, aus
deren Reihen die Taliban entsprungen sind.
Die MAK verbreitet eine Form der stalinistischen Etappentheorie. Diese Theorie
besagt, dass in rückständigen Ländern erst eine bürgerliche
demokratische Revolution siegen muss, um erst danach die Arbeitermacht zu
erkämpfen. Die Stalinisten ordneten die kommunistischen Bewegungen der
Führung der Nationalbourgeoisien unter, was der Weltarbeiterklasse eine
Reihe von blutigen Niederlagen einbrachte (China 1927, Spanien 1936, Indonesien
1965/66, Chile 1973 usw.).
In den rückständigen Ländern sind aber die Nationalbourgeoisien
zu schwach, um die demokratischen Reformen durchzusetzen. Es sind die Arbeiter
im Bündnis mit der Landarmut, die gegen die Interessen der eigenen Bourgeoisie
und der neokolonialen Ausbeuter eine Diktatur des Proletariats errichten
müssen. Nur dieses Bündnis hat die Macht und das Interesse, die
Aufgaben der bürgerlichen Demokratie durchzusetzen.
Wir Marxisten treten für die Schaffung revolutionärer Parteien
Af-ghanistan und den umliegenden Ländern ein. Sie zu gründen und
den Grundstein für eine politische Arbeit zur Sammlung der Arbeiter
und Landarbeiter auf der Basis des revolutionären Programms zu legen,
ist ein Ziel unserer Politik. Die Befreiung von imperialistischer Unterdrük-kung
ist eine zentrale Achse des Klassenkampfes in diesen unterentwickelt gehaltenen
Ländern. Es wäre fatal, wie MAK zu glauben, es gäbe einen
Weg zum Sozialismus über siegreiche imperialistische Kriege.
Die MAK steht mit dieser Position in der Tradition der II. Internationale
nach dem August 1914. Diese Sozialchauvinisten schwadronierten schon damals
vom zivilisatorischen Fortschritt, den ihre Kolonialherren den rückständigen
Barbaren in den Kolonien bringen würden. Im 1. Weltkrieg versuchten
die Kriegstreiber der II. Internationale, ihre Position der Vaterlandsverteidigung
mit der marxistischen Theorie vor dem Zeitalter des Imperialismus zu begründen.
Marx hat z. B. den Krieg Deutschlands gegen Frankreich 1870 als fortschrittlich
angesehen, weil er endlich die Ketten des Feudalismus in Deutschland abwarf
und zur nationalen Einigung führte. Sobald dann der Krieg zu einer Beraubung
Frankreichs entartete (Annexion von Elsass-Lothringen) verurteilten Marx
und Engels die deutsche Regierung ganz entschieden.
Lenin schrieb 1915 gegen die Sozialchauvinisten der II. Internationale eine
Polemik, die sich auch im 21. Jahrhundert anwenden lässt: "Dieses Urteil
über einen bürgerlich-fortschrittlichen, nationalen Befreiungskrieg
[z. B. die 1. Phase des Deutsch-Französischen-Krieges 1870, A. d. R.]
auf den jetzigen imperialistischen Krieg übertragen heißt die
Wahrheit vergewaltigen. ... denn damals gab es weder den modernen Imperialismus
.... Wer sich jetzt auf Marx' Stellungnahme zu den Kriegen in der Epoche
der fortschrittlichen Bourgeoisie beruft und Marx Worte 'Die Arbeiter haben
kein Vaterland' vergißt ... der fälscht Marx schamlos und
ersetzt die sozialistische Auffassung durch die bürgerliche" (Lenin:
"Sozialismus und Krieg"; LW Bd. 21, S . 309).
Die Kriegsmaschinierie läuft wie geschmiert
Nach dem Sieg über Afghanistan hat der Imperialismus Appetit
auf mehr bekommen. Bis zu 60 Länder sind auf der Liste des Pentagons,
die in Frage kommen, ein ähnliches Schicksal wie Afghanistan zu erleiden.
Wer diesen Krieg unterstützt, ebnet den Weg für die Folgekriege.
Der Imperialismus kämpft nicht für Fortschritt und Demokratie sondern
für die weitere Ausplünderung der Welt. Er bringt der übergroßen
Mehrheit der Menschheit tagtäglich Hunger, Elend, Krieg und Terror.
Eine militärische Niederlage für die Imperialisten, wie z. B. im
Vietnamkrieg für die USA, bedeutet, dass sie erst mal geschwächt
werden und innenpolitisch in einigen Fragen Zugeständnisse an die Arbeiterklasse
machen müssen. Politische Kräfte, die für einen Sturz der
Regime in Pakistan, Iran, der Türkei oder imperialistischen Ländern
eintreten, würden Aufwind bekommen. Um die damit eröffneten Möglichkeiten
revolutionär nutzen zu können, müssen Kommunisten über
ein revolutionäres Programm verfügen. Konsequenter Antiimperialismus
ist ein Eckstein dieses Programms.
Für die Verteidigung des revolutionären Programms
Wir Trotzkistinnen und Trotzkisten stehen in der Tradition des revolutionären
Marxismus. "Es kann die Befreiung der Arbeiter nur das Werk der Arbeiter
sein!" Dieser bekannte Brecht-Spruch ist im Zeitalter des Imperialismus richtiger
denn je. Wir verwerfen alle Taktiken der Stalinisten, Sozialdemokraten und
Pseudomarxisten, dass es einen Weg zur Befreiung über die Unterstützung
des Imperialismus gibt. Anders als diese lehnten wir es im Zweiten Weltkrieg
ab, für den Sieg eines Imperia-lismus über den anderen einzutreten.
Während sie den Befreiungskrieg der Sowjetunion gegen Deutschland verteidigten,
gaben Trotzkisten der imperialistischen Anti-Hitler-Koalition keine Unterstützung.
Es waren die "anti-faschistischen" Großmächte, die ihre Kolonien
auch nach dem Zweiten Weltkrieg zum Teil in der Abhängigkeit beliessen.
Sie sorgten auch dafür, dass nach der militärischen Niederlage
des Faschismus das überlebende Klassenbewusstsein, das sich in den sogenannte
Antifa-Komitees, unabhängigen Gewerkschaften und Betriebsbesetzungen
ausdrückte, politisch unterdrückt wurde. In Frankreich wollte die
Bourgeoisie "lieber Hitler als Blum" und waren es alle Kräfte der Anti-Hitler-Koalition,
die Streiks niedermachten sowie die bürgerliche Herrschaft wiederherstellten
und somit den Weg bereiteten für die nächsten Kriege und Völkermorde
(s.a. Eric Wegener: Der zweite Weltkrieg: Demokratie gegen Faschismus?).
In der Konkret 11/2001 und gleichlautend in der Marxistischen Kritik werden
die US-amerikanischen Trotzkisten dafür angegriffen, während des
Zweiten Weltkrieges nicht die US-amerikanische Bourgeoisie im Kampf gegen
den nach Weltmacht dürstenden deutschen Imperialismus unterstützt
zu haben. Die simple Regel "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" mag
linke Kleingeister befriedigen, kann aber keine marxistische Klassenanalyse
ersetzen. Warum sollten Kommunisten und Kommunistinnen der 'eigenen' Bourgeoisie
helfen, die Welt Untertan zu machen? Auch für amerikanische Arbeiter
und Arbeiterinnen stand der Hauptfeind im 'eigenen' Land - die anhaltende
Kommunistenverfolgung machte die unveränderte Position der US-Regierung
in dieser Frage deutlich. Deshalb vertraten die amerikanischen Trotzkisten
der SWP eine revolutionäre proletarische Militärpolitik, die eine
solide militärische Ausbildung des Proletariats unter Arbeiterkontrolle
forderte, um so den gewaltsamen Sturz der 'eigenen' Bourgeoisie ebenso wie
den revolutionären Kampf gegen den Faschismus unter eigener Führung
vorzubereiten. Während die stalinistischen Verräter den berechtigten
Hass amerikanischer Arbeiter auf den Faschismus in eine patriotische Volksfront
mit dem eigenen Hauptfeind lenkten, versuchten Revolutionäre, diesen
mit dem Kampf um die Macht im eigenen Land zu verbinden. Denn das Proletariat
muss auch im Krieg seine eigene Politik verfolgen und seine völlige
politische und organisatorische Unabhängigkeit von der Bourgeoisie bewahren.
Nur so kann es wirklich und effektiv den Klassen-brüdern und -schwestern
in den faschistisch regierten Ländern helfen. Dies erreicht man sicher
nicht durch die Verteidigung der 'antifaschistischen' Kolonialreiche und
den westalliierten Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung,
wobei systematisch Arbeiterviertel angegriffen wurden, vorzugsweise KPD-Hochburgen.
Dagegen kämpften die Trotzkisten der SWP für alle Opfer des faschistischen
Regimes und somit gegen die rassistischen und antisemitischen Einwanderungsquoten
der USA, während die herrschende Klasse der USA kein Interesse an dem
Schicksal der europäischen Juden und der anderen Opfer der faschistischen
Vernichtungspolitik hatte.
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