Internationale Bolschewistische Tendenz (IBT) — US-Hafenarbeiter: Streik gegen den Krieg. In: Bolschewik 18 (2009) Nr. 26., S. 1-2+10-16. — Version: 2011-10-06. — Geladen: 2017-12-15
URL: http:// www.bolshevik.org/deutsch/bolschewik/ibt_bol26_2009-01.html

US-Hafenarbeiter

Streik gegen den Krieg

Am 1. Mai 2008 legten 25.000 Hafenarbeiter der International Longshore and Warehouse Union (ILWU) [Internationale Hafen- und Lagerhaus-Gewerkschaft], die traditionell eine der militantesten Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten ist, jeden Hafen von San Diego bis Seattle still, um gegen die Besetzung des Irak zu protestieren. Unter dem Motto Ohne Frieden keine Arbeit-Feiertag, trotzte die Gewerkschaft Schifffahrtsbossen und Schlichtern und führte aus, was von diesen als illegaler Streik verurteilt wurde. Dies war der erste erfolgreiche politische Streik, der je von amerikanischen ArbeiterInnen gegen ein imperialistisches militärisches Abenteuer geführt wurde, und es schickte eine machtvolle Botschaft internationaler Solidarität an alle, die unterm Stiefel des US-Imperialismus leiden.

Wie wir in unserer Erklärung vom 16. April 2008 feststellten: Mit dem Widerstand gegen die imperialistischen Kriegsherren weist die ILWU-Aktion den Weg für die gesamte internationale Arbeiterbewegung. Die Basis der ILWU wies die Versuche ihrer nationalen Führung zurück, die Aktion entgleisen zu lassen, im Gegensatz zur Sackgassen-Strategie der Gewerkschaftsbürokratie, die sich auf die Freunde der ArbeiterInnen von der Demokratischen Partei verließ. Die Schließung der Häfen am 1. Mai traf den US-Imperialismus und schuf einen wichtigen Präzedenzfall für künftige politische Streiks der Arbeiterklasse. Das ist der Grund, warum alle wahren Sozialisten die Aktion von ganzem Herzen begrüßten, trotz des patriotischen Geschwafels über das US-Militär, das die ILWU-Spitzen absonderten.

Während der Streik zu den Top-Nachrichten an der Westküste zählte, wurde er von den Medien außerhalb des Gebiets fast ignoriert, genauso wie in der internationalen Presse, aus Furcht, dass die Aktion andernorts eventuell ähnliche Aktionen inspirieren könnte. Ein Großteil der Linken ignorierte die Bedeutung des Streiks ebenfalls oder spielte sie herunter. Einige halten die organisierte Arbeiterklasse nicht mehr wirklich für die potenzielle Triebkraft eines großen sozialen Wandels. Andere stehen dem Initiator der Aktion, Jack Heyman (einem bekannten militanten Arbeiter und Vorstandsmitglied des ILWU-Ortsverbands 10), feindlich gegenüber und/oder der trotzkistischen politischen Tradition, mit der er sich identifiziert.

Am 27. September 2008 hatte die Internationale Bolschewistische Tendenz (IBT) die Ehre, Sponsor für den Kollegen Heyman als Gastredner auf einem öffentlichen Forum in Toronto zu sein. Vor der Präsentation wurde ein kurzer Film aus dem Labor-Video-Projekt gezeigt, der anschaulich die Aktion am 1. Mai dokumentierte. Außer ein paar bemerkenswerten Ausnahmen waren die gut 50 Teilnehmer sehr begeistert vom illegalen Antikriegs-Streik, und es gab immer wieder Beifall für Heyman während seines Beitrags.

Die Ausnahmen waren zwei Vertreter der Trotskyist League (TL Trotzkistische Liga), kanadische Sektion der Spartacist League / US (SL) [deren deutsche Sektion die Spartakist Arbeiterpartei Deutschlands ist]. Die SL hatte erheblichen Einfluss in der ILWU, bevor sie die Gewerkschaftsarbeit in den frühen 80er Jahren aufgab. Der erste Sprecher der TL, Arthur Llewellyn, räumte ein, dass der Streik am 1. Mai den Weg zu der Art von Aktion der Arbeiterklasse weist, für die mobilisiert werden muss, und wagte es sogar, auf die ArbeiterInnen einen Salut auszusprechen, die während der Schließung des Hafens ihre Arbeitskraft vorenthielten. Er verbrachte danach den Rest seiner Zeit damit, Heyman und die anderen Militanten, die den Streik organisiert hatten, ebenso wie auch die Linken zu denunzieren, die sie unterstützten. Llewellyn erhob die Beschuldigung: Die BT bietet eine linke Flankendeckung für Heyman, der wiederum die Flankendeckung für die ILWU-Spitzen abgibt, die wiederum die Gewerkschaft an die Demokratische Partei kettet. Das spontane Gelächter, das durch diese und ähnlich idiotische sektiererische Bemerkungen hervorgerufen wurde, war teilweise so laut, dass der Diskussionsleiter das Publikum sogar einmal bitten musste, sich zurückzuhalten.

Ein zweiter TL-Sprecher, Oliver Stephens, entrüstete sich, Materialien über den Streik von der New Yorker Internationalist Group (IG) auf dem Büchertisch der IBT zu finden:

Wir haben da die Literatur der Internationalist Group, wir haben die IBT da, wir haben eine schöne große Liebe die etwas zu sagen versucht, was nicht wahr ist. Dass die Aktion am 1. Mai unglücklicherweise nicht eine des bewussten Klassenkampfes war, das ist einfach wahr. Darüber zu lügen, heißt, sie zu beschönigen und dadurch in der Lage zu sein, kleine Arrangements zwischen Gruppen und Menschen zu machen, die sich sonst ziemlich hassen.

Dies wurde vom Publikum genau als das gesehen, was es war ein Ausdruck kleinkarierten Sektierertums. Wenn die TL/SL einen politischen Streik der ArbeiterInnen gegen die imperialistische Kriegsmaschinerie nicht als eine Form bewussten Klassenkampfes ansieht, warum sollte sie auf jene einen Salut ausbringen wollen, die ihn ausführten? Im Gegensatz zu den Spartacisten begrüßen wir die Möglichkeit, mit anderen Linken zusammenzuarbeiten, wenn es eine prinzipielle politische Basis dafür gibt. Wir freuen uns, dass die IG die Initiative der Militanten, die die Aktion am 1. Mai organisierten, enthusiastisch unterstützte.

Die gemeinsame Anerkennung der Bedeutung des Streiks durch IBT und IG ändert nichts an der Tatsache, dass es erhebliche politische Differenzen zwischen uns gibt. Zum Beispiel sind wir der Auffassung, dass die Abkehr der SL von der Gewerkschaftsarbeit in den frühen 80er Jahren sowohl Ausdruck als auch Beschleuniger eines Prozesses politischer Degeneration war, der bereits weit fortgeschritten war. Die IG hat wiederum eine generell positive Bewertung der SL in diesem Zeitraum. Manchmal öffnet die Einigkeit über ein Thema die Tür zur inhaltlichen Diskussion über die Unterschiede und manchmal nicht.

Während der Diskussionsrunde wies Heyman die Behauptungen der TL brüsk als Unsinn zurück und stellte fest, dass sich SLer am 1. Mai geweigert hatten, an einer Demonstration Tausender Streikanhänger in San Francisco teilzunehmen. Er wies darauf hin, dass die SL nur ein paar Jahre vorher (im Workers Vanguard vom 4. Februar 2005) eine öffentliche Selbstkritik für eine ähnliche Weigerung zu einer Demonstrationsbeteiligung im April 1999 veröffentlichte an dem Tag, an dem die ILWU die Häfen der Westküste in Solidarität mit dem schwarzen politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal stilllegte. Die TLer wanden sich, als Heyman erzählte, dass der einsame SL-Unterstützer, während sich all die besten Milianten des Local 10 aktiv an der Umsetzung der Aktion am 1. Mai beteiligten, nichts tat, keinen verdammten Handschlag.

Als einen der wichtigsten Punkte wollte Heyman klarstellen, dass der Antikriegsstreik am 1. Mai nicht einfach passierte. Er war das Ergebnis einer Menge harter Arbeit und der Zusammenarbeit von vielen verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten über ein breites Spektrum von Themen. Er sprach sehr offen über die Grenzen der Aktion und besonders über die Tatsache, dass viele der Teilnehmer Illusionen haben, die Demokratische Partei unter Barack Obama könne den US-Imperialismus irgendwie zu einem Instrument für den sozialen Fortschritt machen.

Auf die Frage aus dem Publikum, was er als die wichtigste Lehre aus den Jahrzehnten als militanter Gewerkschafter ansieht, wies Heyman auf die Notwendigkeit hin, eine Klassenkampf-Führung für die Arbeiterbewegung zu schmieden: Ich habe die Lektion gelernt, dass man Fraktionen in der Gewerkschaft auf der Grundlage eines Klassenkampf-Programms aufbauen muss, um die Gewerkschaftsbürokratie zu verdrängen, sie zu entfernen, so dass die ArbeiterInnen dann den Kampf gegen die Bosse, die sie ausbeuten, und die Regierung, die hinter diesen Bossen steht, aufnehmen können. Die Idee, Klassenkampf-Fraktionen basierend auf einem Programm aufzubauen, für den Kampf um die Führung in den Gewerkschaften, geht zurück auf die frühen Jahre der Kommunistischen Partei in Amerika (siehe auch Early Communist Work in the Trade Unions [Frühe kommunistische Arbeit in den Gewerkschaften], wieder abgedruckt in der IBT-Ausgabe The Transitional Program [Das Übergangsprogramm].

Heyman kam in seinem Schlusswort noch einmal auf diese entscheidende Frage zurück, und er schloss seine Ausführungen mit der Bemerkung, dass es besser gewesen wäre, hätte es bereits eine Klassenkampf-Fraktion in der ILWU gegeben, dass es aber notwendig sei, die Krise der Führung der Arbeiterklasse auf einer breiteren politischen Basis anzugehen: Eine Klassenkampf-Fraktion existiert nicht an sich und für sich selbst sie muss von einer revolutionären Partei geführt werden, und das ist die zentrale Lehre, die ich heute Abend an euch alle weitergeben will.

*     *     *

Es folgt eine leicht editierte Version der Rede von Jack Heyman auf dem Forum der Internationalen Bolschewistischen Tendenz in Toronto am 27. September 2008. Bryan Palmer, James P. Cannons Biograph, stellte Heyman vor und erläuterte einen Teil seiner Geschichte in der Gewerkschaftsbewegung.

Ich habe eine lange Geschichte der Förderung von Klassenkampfpolitik innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Ich begann 1969 in der Schifffahrtsindustrie in der National Maritime Union (NMU) [Nationale Maritime Gewerkschaft]. Zu dieser Zeit war ich Teil einer Klassenkampf-Organisation, die sich Militant Solidarity Caucus [Militante Solidaritätsfraktion] nannte und von der Spartacist League, die damals eine revolutionäre Organisation war, initiiert und unterstützt wurde.

Von der NMU zog ich an die Westküste der USA und wurde in der ILWU aktiv, in der HafenarbeiterInnengewerkschaft. Die erste wichtige Kampagne, in der ich dort involviert war, fand 1984 rund um die Frage der Apartheid in Südafrika statt. Und aus diesem Kampf lernte ich eine Menge meiner Politik und wie man als Revolutionär in der Gewerkschaftsbewegung funktionieren soll. Für vieles von dem, was ich gelernt habe die Lehren daraus gebe ich Anerkennung an jemanden, der heute Abend hier ist, und ich möchte ihm danken: Howard Keylor. Würdest Du bitte aufstehen, Howard? Danke. [Applaus]

Howard war in der Lage, innerhalb unseres Ortsverbands [ILWU Ortsverband 10 San Francisco] einen Antrag einzubringen, der die Grundlage für einen elftägigen Anti-Apartheid-Cargo-Boykott legte eine Aktion, im Jahre 1984, die die Anti-Apartheid-Bewegung in den Vereinigten Staaten aufbaute oder neu entfachte. Das ist nicht meine Meinung das ist es, was Nelson Mandela sagte, nachdem er aus dem Gefängnis frei kam und eine Welt-Tour machte. Er kam ins Stadion in Oakland, ins Oakland Coliseum, und das erste, was er sagte war, dass er der HafenarbeiterInnengewerkschaft Anerkennung dafür zollte, der Zünder für die Anti-Apartheid-Bewegung in den Vereinigten Staaten gewesen zu sein. Der Funke, der die Anti-Apartheid-Bewegung entzündete, kam von Howard Keylors Antrag. Vielen Dank, Howard. [Applaus]

Der Streik 1984 gegen das Schiff Nedlloyd Kimberley, das aus Südafrika kam, war eine beispielhafte Aktion. Aber mehr noch: sie ermutigte die ArbeiterInnen und zeigte ihnen, wie sie Macht haben nicht nur in Bezug auf einen Vertrag, sondern im Hinblick auf die soziale Realität in der wir leben. Am Ende wurde die Apartheid abgeschafft, und diese besondere Aktion spielte eine Schlüsselrolle in den Vereinigten Staaten.

Ich werde nur ein wenig Hintergrundinformationen geben, die dazu führten, dass der 1. Mai 2008 organisiert werden konnte, denn Ihr müsst den Hintergrund kennen. Viele Leute werden sagen, Ah , das ist die ILWU die machen immer Aktionen. So kommt das nicht zustande; es muss organisiert werden, und es muss um eine Klassenanalyse herum ein Programm, um ein Übergangsprogramm organisiert werden.

In den Jahren 1997 und 1998 gab es einen wichtigen Streik der HafenarbeiterInnen in Liverpool, England. Dieser Kampf brachte viele der besten Elemente der internationalen Gewerkschaftsbewegung heraus. Die Hauptsache bei einer HafenarbeiterInnengewerkschaft ist die Verbindung mit dem globalen Handel; und das ist die Macht, die wir haben unsere Verweigerung der Arbeit an diesem Punkt des Produktionsprozesses. Und wir haben das für die HafenarbeiterInnen in Liverpool getan, als das Schiff namens Neptune Jade in den Hafen von Oakland einlief. Es wurde eine Streikpostenkette aus der Bevölkerung und den ArbeiterInnen gebildet, und die HafenarbeiterInnen weigerten sich, sie zu überqueren, und für vier Tage lag das Schiff still. Das hat die Kapitalisten das Fürchten gelehrt. Man konnte ihre verschiedenen Websites besuchen (wir hatten auch eine Website) und sehen, dass die Anzahl der Treffer exponentiell stieg, sobald diese Aktion begann. Sie erkennen die Bosse verstehen das dass die Macht der ArbeiterInnen da ist, auf den Docks. Das war ein gutes Beispiel dafür, wie ArbeiterInnen tatsächlich solidarisch sein können und sich gegenseitig international bei ihren Kämpfen unterstützen können. Leider haben die HafenarbeiterInnen in Liverpool schließlich ihren Kampf verloren. Aber die Lehren, die wir daraus gezogen haben, die sind wie eine Art Fackel, die seither weitergereicht wird.

Ein paar Jahre danach waren schwarze HafenarbeiterInnen in Charleston, South Carolina, mit einem streikbrechenden Hafenunternehmen konfrontiert, das ArbeiterInnen einsetzte, um deren Arbeit zu machen (die Gewerkschaft hatte seit 25 Jahren einen Vertrag mit der Reederei, Nordana). South Carolina ist ein Recht-auf-Arbeit-Staat [Gesetz in 22 Staaten, das es verbietet, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber festlegen, dass Gewerkschaftsmitgliedschaft Vorbedingung für die Einstellung ist. Anm. Bolschewik] und eine Bastion der Reaktion in den USA. Und doch, die schwarzen ArbeiterInnen vereinten sich mit den weißen ArbeiterInnen die Weißen haben die privilegierteren Jobs (sie machen die Schreibarbeit und überprüfen die Ladung), während die Schwarzen die schwere körperliche Arbeit im Hafen verrichten. Sie schlossen sich zusammen und waren in der Lage, eine sehr wichtige Kampagne zu führen, vor allem für die südlichen Vereinigten Staaten. Die Hafenarbeiter, die in diesem Kampf verhaftet wurden, wurden als die Charleston Fünf bekannt. Der Punkt ist, dass die Verteidigungskampagne für sie wirklich los ging wegen der Rolle, die die Westküsten-HafenarbeiterInnengewerkschaft (ILWU) spielte. Und ich fordere die Menschen hier auf, sich eine Kopie der Flugschrift vom Büchertisch mitzunehmen, die heißt On the Global Waterfront: The Fight to Free the Charleston Five [An der globalen Wasserkante: Der Kampf um die Freiheit für die Charleston Fünf]. Es ist eine gut recherchierte und dokumentierte Arbeit über den Kampf.

Was wir im Grunde in diesem Kampf taten, war, dass wir nach Charleston gingen, weil ihre eigene Gewerkschaftsbürokratie in New York ihren Kampf nicht unterstützte und sie isoliert waren. Der ILWU-Ortsverband 10 von San Francisco schickte also zwei Delegierte nach Charleston, und wir waren in der Lage ihnen zu sagen, Ihr seid nicht allein in diesem Kampf. Wir stehen an Eurer Seite. Wir brachten die Nachricht von ihrem Kampf zurück zur ILWU HafenarbeiterInnen-Konferenz aller Ortsverbände der HafenarbeiterInnen an der Westküste. Die Konferenz stimmte zu, sich voll hinter die Charleston-Hafenarbeiter zu stellen, und wir brachten ihre Kampagne zur gesamten organisierten Arbeiterbewegung und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten sondern international. Und sie gewannen.

Die Lehre daraus ist, dass auch in reaktionären Zeiten, in denen es schwierig scheint, zu versuchen, die Bosse zu bekämpfen und den Kampf gegen die Regierung zu führen, ist es möglich, zu gewinnen aber man muss auch bereit sein, zu kämpfen. Die HafenarbeiterInnen in Charleston waren bereit dazu. Zusammen Schwarze und Weiße kämpften in der Streikpostenkette gegen die Bullen (sogar die State Riot-Polizei [Sondereinsatztruppen der Staatspolizei des Staates South Carolina] wurde eingesetzt). Sie stellten das System in Frage und haben am Ende gewonnen, denn wir waren in der Lage, eine solide Unterstützung aufzubauen, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern international.

Das funktionierte auf die selbe Art wie beim Kampf der HafenarbeiterInnen in Liverpool: die besten KämpferInnen in der Bewegung der HafenarbeiterInnen kamen zur Verteidigung der Liverpooler HafenarbeiterInnen zusammen. Ich traf den Leiter der anarchistisch-orientierten HafenarbeiterInnengewerkschaft in Spanien. Und ich sagte tatsächlich wars eine E-Mail Julian, es gibt da einen wichtigen Kampf in Charleston, und die Schiffe gehen von Charleston nach Valencia, Spanien; sie brauchen Eure Hilfe. Sowie das nächste Schiff am Pier in Valencia anlegte, gingen die Führer der HafenarbeiterInnen auf die Gangway, sprachen mit dem Kapitän, und sie sagten, dieses Schiff wird nicht entladen werden. Keines Ihrer Schiffe wird entladen, bis Sie einen Vertrag mit der HafenarbeiterInnengewerkschaft in Charleston unterzeichnet haben. Und das geschah innerhalb von 48 Stunden. Das ist die Macht der Arbeiterklasse. [Applaus] Das ist es, wie Solidarität funktioniert.

Ich nehme an, die meisten von Euch wissen über Mumia Abu-Jamal Bescheid: ein politischer Gefangener, ein unschuldiger Mann, dem die US-Justiz die Tötung eines Polizisten anhängte. 1999 gab es für ihn eine große Demonstration in San Francisco. Unser Ortsverband stellte wieder einen Antrag auf der Konferenz, dass wir Maßnahmen zur Verteidigung von Mumia Abu-Jamal ergreifen und seine Freilassung fordern. Und dieser Aufruf hatte in meinem Ortsverband in San Francisco und Oakland eine sehr starke Resonanz, weil die Mehrheit meiner KollegInnen Afro-AmerikanerInnen sind. Wir haben das bei der Konferenz vorgebracht und sie unterstützte die Aktion. Am 24. April 1999 wurden alle Häfen an der Westküste stillgelegt und die Freiheit für Mumia Abu-Jamal verlangt. [Applaus]

Das war das erste Mal, dass wir die Taktik der Betriebsversammlung für eine Aktion benutzten. Vertraglich haben wir ein Recht auf eine Versammlung während einer Schicht im Monat. Bis zu dieser Aktion hatte es noch keine Situation gegeben, in der in jedem Hafen an der Westküste zur gleichen Zeit aus einem politischen Grund die Arbeit stoppte aus einem wichtigen politischen Grund: Für die Freilassung von Mumia Abu-Jamal! Und damit war auch ein wichtiger Schritt nach vorn getan, denn es gab einmal mehr einige Ermutigung für die ArbeiterInnen, dass wir Macht haben, die wir einsetzen und auf kreative Art benutzen können. Dies war eine der kreativen Möglichkeiten.

Wir führten die Demonstration in San Francisco von 25.000 Menschen und forderten die Freiheit für Mumia Abu-Jamal. Es ist unbestritten, dass die offizielle Leitung der Demonstration unter dem Banner organisierte, das ein Wiederaufnahmeverfahren verlangte. Der Slogan, den wir skandierten, war: Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle Freiheit für Mumia Abu-Jamal! [Applaus] Ob man Differenzen mit der Führung dieser Demonstration hatte oder nicht: es war wichtig für jeden Linken, dabei zu sein und unter dem eigenen Banner zu marschieren.

Ein paar Jahre danach, wie Bryan schon erwähnte, hatten wir einen Kampf um den Tarifvertrag. Die besondere Bedeutung des Kampfs im Jahre 2002 war, dass er sechs Monate nach dem 11. September stattfand, als die Angst in der Gewerkschaftsbewegung allgegenwärtig war. Die Bosse haben Kapital daraus geschlagen und machten Lobbyarbeit im Weißen Haus für Maßnahmen gegen die Gewerkschaft. Also riefen Donald Rumsfeld, damals Verteidigungsminister, und Tom Ridge, damals der Zar des Heimatschutzministeriums, die Führung der ILWU an und sagten, falls es irgendwelche Aktionen auf den Docks während der Vertragsverhandlungen geben würde (und sie wussten, dass wir immer welche gehabt hatten), also, wenn Sie irgendwelche Aktionen machen, die den Fluss der Ladung stören, werden wir das als Gefährdung der nationalen Sicherheit auffassen und die Docks mit Bundestruppen besetzen.

Das folgte auf den 11. September. Aber wir schlugen zurück. Die Bosse sperrten uns aus. Zur Erinnerung, die Bundesregierung drohte der Gewerkschaft, dass sie die Truppen schicken würden, falls wir einen Slow-down oder irgendeine Job-Aktion durchführen würden. Aber der Arbeitgeberverband sperrte uns aus jedem Hafen an der Westküste aus und nichts passierte! Für zehn Tage wurde jeder Hafen an der Westküste dicht gemacht und darauf folgte unmittelbar, dass die Regierung Taft-Hartley [Ein Gesetz, das die Rechte von Gewerkschaften extrem einschränkt, besonders auch bei Arbeitskampfmaßnahmen] gegen uns benutzte hauptsächlich, weil die Demokratin Dianne Feinstein [kalifornische Senatorin] Lobbyarbeit bei der Bush-Administration machte.

Der Krieg gegen den Irak begann nur wenige Monate, nachdem der Vertrag unterzeichnet war, und es gab Demonstrationen auf den Docks in Oakland. Ich war zu der Zeit Business Agent [Gewählter Vertreter der Gewerkschaft, der die Interessen der ArbeiterInnen gegenüber den Bossen verteidigen soll] im Ortsverband 10 und unsere Mitglieder überquerten die Streikpostenketten nicht. Wir standen daneben, als die Streikposten demonstrierten. Die Polizei kam in Kampfausrüstung, was mich daran erinnerte, was in Charleston passiert war. Aber in diesem Fall waren sie auf Schwierigkeiten eingestellt, und wegen des 11. Septembers hatten sie grünes Licht gekriegt. In der Tat hat der Leiter des kalifornischen Anti-Terrorismus-Informationszentrums gesagt, dass jeder, der gegen den Krieg gegen den Terror demonstriert, als Terrorist angesehen werden könnte. Also waren wir da draußen auf den Docks Terroristen! Sie beschossen die Demonstranten mit nicht-tödlichen Waffen. Dutzende wurden verletzt. Sie zielten auch auf Hafenarbeiter, die an der Seite standen, und eine Reihe unserer Kollegen wurden ernsthaft verletzt fünf wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Ich habe als Business Agent versucht, unseren Kollegen zu helfen und wurde aus meinem Auto gezogen und von fünf Polizisten verprügelt. Die UN-Menschenrechtskommission hielt diese Episode für den gewalttätigsten Angriff der Polizei, der seit Beginn des Krieges stattgefunden hatte.

Das ist der Grund, warum, wenn ihr dieses Video [über den Streik am 1. Mai] seht, das war fünf Jahre nach dem Beginn des Irak-Krieges es eine Art süße Gerechtigkeit für uns war. Wir kriegten unsere Rache; jeder Hafen an der Westküste, von der kanadischen Grenze zur mexikanischen Grenze, wurde dicht gemacht. Jeder Hafen! Und das brachte den Bossen die Botschaft, dass wir die Macht haben. Es schickte auch eine Botschaft an den Rest der Gewerkschaftsbewegung, dass die Arbeiter die Macht haben, die Dinge zu ändern.

Nun gab es aber Probleme mit der Maßnahme selbst. Ich sollte ein paar Schritte zurück gehen und erzählen, dass es im Oktober 2007 eine Stop the War[Stoppt den Krieg]-Konferenz gab, die vom Ortsverband 10 gesponsert war. Der Hauptantrag, der aus dieser Konferenz in unserer Gewerkschaft kam, richtete sich an die Delegierten aus anderen Gewerkschaften, national und international, nach Hause zu gehen und einen Aufruf für Aktionen an ihren jeweiligen Produktionsstätten zu erlassen. Das war die Basis für uns, den Antrag zu beschließen, alle Häfen am 1. Mai zu schließen. Nun, war es falsch? Ja. Aber war es etwas, dass den Klassenkampf in den Vereinigten Staaten und international vorwärts brachte? Definitiv. In den Vereinigten Staaten hatten wir nie vorher einen ArbeiterInnenstreik gegen einen Krieg gehabt. Das hatte es nicht gegeben. Während wir die ArbeiterInnen auf der ganzen Welt dazu aufriefen, mit uns am 1. Mai zu streiken, geschah das tatsächlich nur in einem Land, und das war im Irak. Die Hafenarbeiter im Irak streikten angesichts der militä-rischen Okkupation! Sie riskierten viel ich meine, sie setzten ihr Leben aufs Spiel, buchstäblich, als sie gegen den Krieg und die Besatzung streikten. Wir hörten also auf zu arbeiten, und es wäre wunderbar gewesen, hätten andere ArbeiterInnen sich beteiligt; aber das ist nicht geschehen. Wir haben alles versucht, um die Lkw-FahrerInnen im Hafen dazu zu kriegen, gemeinsam mit uns zu streiken. Wir hatten wöchentliche Telefonkonferenzen mit den Lkw-FahrerInnen. Die meisten von den ArbeiterInnen, viele von ihnen, sind ImmigrantInnen. Und wir hatten

Telefonkonferenzen mit Lkw-FahrerInnen aus Häfen in Boston, New York, Houston, Savannah, Charleston, Los Angeles über das ganze Land. Und sie versprachen dies sind unorganisierte ArbeiterInnen, sie sind nicht in Gewerkschaften dass sie, wenn wir alle die Arbeit niederlegten (denn es war nicht sicher, dass jeder Ortsverband, jeder Hafen geschlossen werden würde), mit uns gehen würden.

Realität ist, dass sie nicht mit uns raus kamen. Sie sind nicht organisiert und es ist sehr schwierig, irgendeine Art von Streik durchzuführen, wenn man nicht organisiert ist. Das war bedauerlich, denn, wäre es geschehen, wäre das der erste landesweite Hafenstreik in den USA gewesen, und das ist etwas, woran wir arbeiten müssen. Ich denke, dass es möglich ist, vor allem angesichts der jetzigen Möglichkeiten, wenn die ArbeiterInnen sagen, Was ist los mit der Wirtschaft? Häuser werden zwangsvollstreckt, Menschen werden aus den Jobs gefeuert, die Inflation steigt höher und höher. Die Bedingungen sind reif für Klassenkampfpolitik in den Gewerkschaften. Sie sind reif dafür, dass ArbeiterInnen Aktionen durchführen, und die Frage, in welcher Art von System wollen wir leben, wird nun in einer Form gestellt, wie es das seit Jahrzehnten nicht gegeben hat.

Es ist noch von Interesse über die Debatte in unserer Konferenz, aus der die Aktion resultierte, dass es nicht zum ersten Mal geschah. Delegierte aus dem Ortsverband 10, dem San Francisco Ortsverband, hatten diese Art von Resolution seit Beginn des Krieges eingebracht. Wir haben einen Antrag gegen den Krieg auf der Gewerkschaftskonferenz im Mai 2003 durchgebracht, aber in der Sektion der HafenarbeiterInnen der Gewerkschaft hatten wir wirkliche Aktionen gegen den Krieg vorgeschlagen und waren jedes Mal niedergestimmt worden. Jedes Mal, wenn wir das vorbrachten, verloren wir die Abstimmung. Aber wir haben es wieder versucht, und dieses Mal ist es durchgekommen. Die Situation hatte sich geändert. Die Dynamik war anders, weil die ArbeiterInnen Illusionen hatten, dass die Demokraten, die 2006 gerade die Kontrolle über den Kongress errungen hatten, den Krieg irgendwie beenden würden. Doch Nancy Pelosi [Sprecherin des Repräsentantenhauses Demokratische Partei] und der Rest der Demokraten finanzierten den Krieg weiter. Das war Teil dessen, was die Resolution aussagte dass wir den Kampf auf eine höhere Ebene heben müssen und dass der Krieg ein Krieg beider Parteien ist. Beide großen Unternehmer-Parteien unterstützen ihn, und doch haben wir die Macht, ihn zu beenden, wenn wir auf den Docks, zusammen mit dem Rest der Arbeiterklasse, die Macht ausüben, die wir haben.

Also was passierte, war, dass die Resolution vorgestellt wurde und zunächst war es alles wie pro forma. Zwei ziemlich militante Kumpel aus San Francisco standen auf und unterstützten den Antrag. Dann kamen ein paar Mitglieder der größten Ortsgruppe an der Westküste, Los Angeles, und sprachen gegen die Resolution auf der Grundlage, dass wir in sehr schwierigen Verhandlungen mit dem Arbeitgeber sind und jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für solche Aktionen sei. Aber dann geschah etwas sehr interessantes, und ziemlich ungewöhnliches eine echte Überraschung für alle: einer der eher konservativen Typen aus dem Hafen in Seattle, der zufällig ein Veteran des Vietnamkrieges war, stand auf und sagte, Ihr wisst, dass diese Resolution die Wahrheit sagt. Wir haben für die Demokraten geschuftet, damit sie gewählt werden, und der Krieg geht weiter. Wir haben die Macht, den Krieg zu beenden. Lasst uns das tun, was diese Entschließung fordert; lasst uns die gesamte Westküste stilllegen.

Das war die Dynamik, die dazu führte, dass ein Redner nach dem anderen aufstand und sagte: Ja, wir haben die Macht. Lasst uns die Häfen schließen. Nach etwa einer halben Stunde wurde es deutlich, dass dieses Gefühl vorherrschen würde und es jagte den Gewerkschaftsbürokraten eine Höllenangst ein, die von Anfang an versuchten, die Aktion zu unterminieren. Wie in dem Video zu sehen ist, lautete die ursprüngliche Resolution für eine 24-Stunden-Schließung der gesamten Westküste. Die Gewerkschaftsführung fragte die Autoren der Resolution, ob sie bereit seien, sie auf 8 Stunden zu ändern, und das wurde akzeptiert. Es wurde geändert auf 8 Stunden mit einer Betriebsversammlung. Damit war es also vertragskonform. Es wäre legal gewesen, so wie 1999, als wir alle Häfen stilllegten mit einer Betriebsversammlung für Mumia Abu-Jamal.

Aber die Bosse wollten nicht zustimmen. Sie sagten nein, und wenn man das Datum der Betriebsversammlung ändern will, dann muss man die Zustimmung der Arbeitgeber haben, und sie waren nicht einverstanden. Also waren wir mit einem Dilemma konfrontiert: Wir hatten Industrie-Schlichter, die zweimal gegen uns entschieden, und die Bosse gingen zum NLRB [National Labor Relations Board Bundesbehörde für Arbeitsbeziehungen], gingen zur Bundesregierung, und bekamen eine Klage wegen sekundärem Boykott gegen uns durch das [drakonische Anti-Gewerkschafts-] Taft-Hartley-Gesetz. Taft-Hartley! Ich glaube nicht, dass wir das wirklich erwartet hatten. Aber wir standen fest, auch mit dem angedrohten Taft-Hartley-Einsatz gegen uns, denn es war offensichtlich, dass, wenn wir nicht zusammenstehen würden wenn wir irgendwelche Art der Uneinigkeit zeigten würde es keinen Verhandlungstisch geben. Die Bosse würden einfach ihre Bedingungen durchsetzen. Bis zur letzten Stunde war es nicht klar, ob alle Häfen stillstehen würden, aber es geschah: jeder Hafen war stillgelegt. Wir alle standen in Solidarität zusammen und sandten eine Botschaft an die Machthaber in den USA, nicht nur an das Weiße Haus und die Regierung in Washington, sondern auch an die Bosse, dass wir ein sofortiges Ende der Kriege im Irak und in Afghanistan wollen und einen sofortigen Truppenabzug. Und so organisierten wir den ersten Streik in den Vereinigten Staaten gegen einen Krieg.

Die Gewerkschaftsbürokraten begrenzten den Streik auf acht Stunden, aber sie standen mit dem Rücken zur Wand sie mussten sicherstellen, dass jeder Hafen schließt, sonst hätte es keine Verhandlungen gegeben. Aber außerdem unterminierten sie die Resolution. Es gab nichts darin, das besagte: Wir unterstützen unsere Truppen und der ganze Sozialpatriotismus, der dazu gehört. Die Resolution sagte im Wesentlichen, zur Hölle, holt die Truppen aus dem Nahen Osten: Iran, Irak und Afghanistan. Und dann war da noch eine ganze Menge darüber, wie wir die Demokraten und Barack Obama unterstützen müssen, deren Programm wirklich das gleiche wie Bushs ist um allmählich die Truppen aus dem Irak abzuziehen und sie nach Afghanistan zu schicken. So, die Bürokraten spielten ihre Rolle, aber die Militanten in der Gewerkschaft taten, was wir zu tun hatten.

Wir fuhren alle Häfen an der Westküste herunter, und wir mussten raus und der Öffentlichkeit erzählen, worum es in diesem Streik ging. Das Wort von der Internationalen [Gewerkschaftsbürokraten der Internationalen Hafen- und Lagerhaus-Gewerkschaft (ILWU)] lautete: Keine Aktionen, macht keinerlei Aktionen, keine Kundgebungen, Demonstrationen oder ähnliches. Und wir an der Basis rebellierten dagegen. In San Francisco, Portland und Seattle: ILWU-Mitglieder gingen an diesem Tag zu Demonstrationen gegen den Krieg. Die internationalen Gewerkschaftsbürokraten waren nirgends zu sehen, wie das auch schon seit Beginn des Krieges war, trotz der Resolution im Jahre 2003, die gegen den Krieg und für den sofortigen Abzug der Truppen sprach. Sie hatten auf keiner Antikriegs-Kundgebung gesprochen. Sie verhielten sich also folgerichtig.

Eines der bedeutenden Dinge bei diesem Streik war, dass es das erste Mal seit dem Bergarbeiterstreik im Jahre 1978 war, dass die ArbeiterInnen tatsächlich der Regierung trotzten, den Bossen trotzten und draußen blieben, weil wir wussten, dass sie die Bestimmungen gegen sekundäre Boykotts des Taft-Hartley gegen uns benutzen würden. Aber wir standen zusammen und waren stark; wir ließen die Arbeitgeber wissen, dass es es sei denn, alle Klagen gegen die Gewerkschaft würden fallen gelassen keinen Vertrag geben würde.

Das Erstaunlichste über die ganze Debatte in der Gewerkschaft war die Tatsache, dass es nicht die üblichen radikalen Militanten waren, die den Tag machten; es waren die regulären Kumpel aus der Arbeiterklasse, von denen viele in Vietnam gewesen waren und gesehen hatten, was ein imperialistischer Krieg ist, und sie sagten: Wir wurden belogen. Menschen sterben dort für nichts. In ihren eigenen Worten sagten sie, Wir müssen die Truppen dort raus kriegen. Und ich denke, dass es das war, was den Erfolg des Tages ausmachte.

Ich weiß nicht, ob die meisten von Euch den marxistischen Historiker Isaac Deutscher kennen, aber er machte eine wirklich wichtige Beobachtung über die Macht der Arbeiterklasse, als er in den 60er Jahren in die USA kam und auf einer Kundgebung gegen den Vietnamkrieg sprach. Er sagte, er würde alle Demonstrationen gegen den Krieg gegen einen guten Hafenarbeiterstreik eintauschen. Er wusste, dass Arbeiteraktionen unter dem Kapitalismus die Macht haben, wirklich etwas zu ändern. Und ich glaube, das war die Lehre aus dieser Aktion am 1. Mai - dass wir die Macht haben, Dinge zu ändern.

Ich denke, dass die Zeit für die Entstehung von klassenkämpferischen Fraktionen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung und für die Aufstellung von militanten Forderungen reif ist, wie wir es um den Krieg getan haben. Das sind keine Luftschlösser. Die Transit Workers Union [TransportarbeiterInnengewerkschaft] in New York schickte ein, zwei Delegierten zu unserer Konferenz im Oktober 2007. Sie brachten Forderungen in ihre Gewerkschaft ein. Ihre Gewerkschaft hat in mancher Hinsicht viel Ähnlichkeit mit der Hafengewerkschaft an der Westküste: sie ist überwiegend eine Minderheiten-Gewerkschaft, eine afro-amerikanische und Latino Gewerkschaft und sie ist in einem Teil des Landes, in dem die populäre Einstellung gegen den Krieg ist.

Ich glaube, wenn es klassenkämpferische Fraktionen in Gewerkschaften im ganzen Land gäbe, wie bei den New York Transit ArbeiterInnen, dann könnten wir beginnen, etwas daran zu ändern, wie die Gewerkschaftsbewegung heute aussieht. Wir könnten für eine neue Führung kämpfen, eine Klassenkampf-Führung eine Führung, die bereit ist, für eine Arbeiterpartei zu kämpfen, und nicht weiter das gleiche alte Spiel von den Zwillingsparteien, Republikaner oder Demokraten, zu spielen. Ich denke, einige von Euch waren schon während des Vietnamkrieges aktiv und wissen, dass die Proteste 1968 nicht gegen die Nationale Konferenz der Republikaner waren sie waren gegen die Konferenz der Demokraten. Die Demokratische Partei war ja an der Macht. Sie waren diejenigen, die die imperialistische Abschlachtung in Vietnam führten. Wir vergessen das nicht. Ich denke, die Zeit ist reif für die Bildung von Klassenkampffraktionen in den Gewerkschaften, und hoffentlich können wir mehr Aktionen haben, wie die am 1. Mai.

Vielen Dank.