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Erster Teil: Räuberstaat USA
Wir leben in einer Welt, in der das Streben nach Profit zu
einer
schier unglaublichen Kluft zwischen Arm und Reich geführt hat: Die
drei
Reichsten Familien dieser Welt, allesamt US-Amerikaner, besitzen mehr
als
48 Staaten dieser Erde zusammen. 500 Großkonzerne regeln
Dreiviertel
des Welthandels und tätigen Vierfünftel aller
Auslandsinvestitionen.
100 Millionen Flüchtlinge laufen um ihr Leben und alle 3 Stunden
sind
mehr Menschen an leicht heilbaren Krankheiten und Unterernährung
gestorben,
als bei dem Anschlag auf das World Trade Center. Nur sterben diese
Menschen
leise, unauffällig und weniger spektakulär. Ihr Klagen und
Schreien
verhallt ungehört. Keine geschmacklose, unappetitliche
Heuchelkampagne
vergießt irgendwelche Tränen über ihr Schicksal.
Hauptverantwortlich für die Ereignisse am 11. September sind
natürlich
Räuberstaaten wie die USA, die mit ihrer aggressiven und
kriegerischen
Außenpolitik in jedem Winkel der Welt ihre ökonomischen
Interessen
durchsetzen wollen. In Hiroshima und Nagasaki wurden beim Abwurf zweier
Atombomben
über 250.000 Menschen auf einen Schlag ermordet. Im Namen der
"Containment
Policy" wurden in Vietnam an die 2.5 Millionen Vietnamesen getötet
und
55.000 amerikanische GI's starben für eine ungerechte Sache,
mehrere
Millionen Krater wurden gebombt, ganze Wälder entlaubt und auch
vor dem
Einsatz von chemischen Waffen schreckte man nicht zurück: Unter
der
verheerenden Wirkung von "Agent Orange" hatten hundertausende
Vietnamesen
zu leiden. Erst die heldenhaft kämpfenden Bauern Vietnams konnten
diesem
Treiben ein Ende bereiten. Die USA erlitten 1975 eine herbe
militärische
Niederlage.
Mit tatkräftiger Hilfe der Vereinigten Staaten ermordeten
Putschisten
unter Führung von General Augosto Pinochet den demokratisch
gewählten
Reformisten Salvador Allende. Der damalige US-Präsident Nixon und
sein
Außenminister Henry Kissinger waren persönlich in den Putsch
verwickelt.
Einige Flugzeugpiloten verließen ihren vorgesehenen Kurs und
steuerten
zu allem entschlossen aufs Stadtzentrum zu. Kurz darauf hörte man
Explosionen,
man sah berstende Fassaden, Gebäude, die in einem
Höllenlärm
zusammenstürzten. Staubbedeckte Überlebende versuchten sich
zu retten.
Die Medien übertrugen die Tragödie live. Alles an einem 11.
September,
Santiago de Chile im Jahr 1973. Auch heute unterhalten die USA weltweit
Terrorzellen.
Im Krieg gegen den Irak starben etwa 125.000 Menschen unmittelbar durch
die
USA und ihre Verbündeten - für Öl. Selbst die New York
Times
gibt in einem ihrer aktuellen Leitartikel zu, dass 1991 der Golfkrieg
geführt
wurde, um das Regime in Riad und damit den Ölfluss in die USA vor
zu
eigenwilligen Kräften zu schützen. Madeleine Albright, ihres
Zeichens
ehemalige Außenministerin der Clinton-Adminstration, wurde Mitte
der
Neunzigerjahre einmal in einem Interview mit der Tatsache konfrontiert,
dass
zum damaligen Zeitpunkt bereits über eine halbe Million Menschen
im Irak
an den Folgen des Embargos gestorben sind. Sie antwortete lapidar: "Ich
denke
es ist eine sehr schwierige Entscheidung, aber der Preis - wir denken,
dieser
Preis ist gerechtfertigt". Bei dem über zwei Monate andauernden
Luftangriffen
auf Serbien und Kosova wurden ebenfalls tausende Menschen getötet.
Neben
Streubomben und toxischem Nervengas wurden uranhaltige Bomben
eingesetzt,
viele Landstriche sind radioaktiv kontaminiert. Wohnviertel,
Autofabriken,
Straßen - die gesamte Infrastruktur des kleinen Landes wurde
zerstört.
Die USA - aber auch Deutschland - unterstützen die Türkei bei
ihrer
völkermörderischen Außenpolitik gegenüber den
Kurden.
Das gleiche gilt für Israel: Obgleich das Verhältnis zwischen
Israel
und den USA derzeit sehr angespannt ist (im Namen der
"Anti-Terror-Allianz"
gegen Afghanistan sind die USA auf das Wohlwollen diverser arabischer
Staaten
angewiesen und setzen deshalb auf eine Wiederaufnahme der
Friedensverhandlungen),
billigt man die Verbrechen der israelischen Armee gegen das
palästinensische
Volk. Die Liste der Grausamkeiten ließe sich beliebig lang
fortsetzen.
Der Hintergrund: Krieg um Öl
Der Ölreichtum des mittleren und nahen Osten sowie der
kalte
Krieg gegen die nicht-kapitalistische Sowjetunion waren für die
amerikanische
Außenpolitik Anlass, in dieser Region Marionettenregimes
aufzubauen.
Diese hatten zwar alle ihr Eigenleben, dienten den USA jedoch sehr gut
für
die Durchsetzung amerikanischer Ansprüche. Saddam Hussein ist ein
solches
Produkt amerikanischer Außenpolitik: Als Gegengewicht zum Iran
wurde
er in den Achtzigerjahren von den USA finanziert ehe er 1990
fallengelassen
und als "moderner Hitler" zum Abschuss freigegeben wurde. Das irakische
Regime
bedrohte schließlich die Ölinteressen der USA am Persischen
Golf
und geriet partiell in einen Widerspruch zu den USA.
Auch das reaktionäre Taliban-Regime ist ein Kind der
US-Imperialismus.
Lange Zeit wurden extremistische Mudjahedin direkt über diverse
Geheimdienste
unterstützt. Eine zentrale Rolle spielten dabei der CIA und der
pakistanische
Geheimdienst ISI. Die rückschrittlichen Religionsfanatiker
Afghanistans
wurden im "Kampf gegen die Ungläubigen" mit 6 Milliarden US-Dollar
ausgestattet.
Von den westlichen Medien wurde dieser Kampf gegen die Sowjets zu einem
Freiheitskampf
hochstilisiert. Allen Lügen zum Trotz übernahm die
prosowjetische
Regierung in Afghanistan im Bildungswesen und im öffentlichen
Leben die
viele Errungenschaften der Sowjetunion. Sie unternahm Versuche zur
Öffnung
des Bildungswesens für Frauen und trat für die Abschaffung
des Taschador
ein. Die westlichen Medien prangerten diese Bemühungen als
Vergewaltigung
der afghanischen Tradition an. Die tatsächliche Vergewaltigung
unzähliger
Frauen im klerikalen Afghanistan wurde hingegen weitgehend
totgeschwiegen.
Nach dem Zusammenbruch des nicht-kapitalistischen Lagers unternahmen
die verschiedenen
Großmächte eine diplomatische Offensive in Zentralasien,
hinter
der vor allem die Aussicht auf die Kontrolle über die riesigen
Ölvorkommen
des Kaspischen Beckens stand - eine der strategisch wichtigsten und
rohstoffreichsten
Territorien des Planeten. In Kasachstan befinden sich riesige
Ölfelder,
in Turkmenistan enorme Gasressourcen. Auf der westlichen Seite des
Kaspischen
Meeres liegt Baku, die Hauptstadt von Aserbaidschan und das Zentrum der
Ölindustrie.
Hier wird das Öl direkt aus den Tiefen des weltweit
größten
Binnensees an die Oberfläche gepumpt.
Das strategische Ziel der "Anti-Terror-Allianz" ist nicht der Sieg
über
die Taliban, sondern die Kontrolle über die gesamte Region. Den
Vereinigten
Staaten geht es vor allem darum, den Verlauf von Pipelines zu
bestimmen. Bereits
im April 2001 trafen Präsident Bush und Außenminister Powell
die
Präsidenten von Armenien und Aserbaidschan und diskutierten mit
ihnen
über den langjährigen Grenzkonflikt zwischen den beiden
Ländern.
Dieses Gespräch war Teil der Bemühungen, den Weg frei zu
machen
für eine Pipeline von Baku über Aserbaidschan, Georgien und
die
Türkei zum Mittelmeer. Einen Monat später billigte ein
Konsortium
von Ölkonzernen vorläufig das mit drei Milliarden Dollar
veranschlagte
Projekt. Der wichtigste Partner in diesem Konsortium: British Petroleum
(BP).
Dieser Hinweis sollte genügen, um das derzeitige Verhalten der
Blair-Regierung
zu erklären.
Der russische Einfluss hingegen nimmt in ganz Zentralasien ab.
Russische Truppen
wurden aus allen Republiken abgezogen - mit Ausnahme Tadschikistans, wo
sie
an der Grenze zu Afghanistan patrouillieren. Die Präsidenten von
Usbekistan,
Kirgisien und Turkmenistan sagten im Frühjahr ein geplantes
Gipfeltreffen
mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ab. Einzig und
allein
aufgrund seiner Schwäche sagt Russland der "Anti-Terror-Allianz"
seine
Unterstützung zu - mal abgesehen davon, dass man ganz
zufällig den
eigenen Völkermord an den Tschetschenen mit dem Hinweis auf den
Kampf
gegen den islamistischen Terrorismus rechtfertigen möchte. Auch
der
Iran und China scheiden für die USA als Partner aus, da man auf
diese
Staaten ebenfalls keinen direkten Einfluss nehmen kann. Für den
Verlauf
der Ölpipelines hatte dies entscheidende Konsequenzen ...
Zwei treue Vasallen: Pakistan und Saudi Arabien
Ein weiterer prominenter Geldgeber der afghanischen Mudjahedin
war
Pakistan. Das Land setzte auf die Rekrutierung muslimischer Soldaten
für
seinen Kampf gegen seinen Erzfeind Indien. Über den mächtigen
pakistanischen
Geheimdienst ISI flossen Gelder nach Afghanistan -
selbstverständlich
mit Wissen und tatkräftiger Unterstützung durch die USA. Nach
dem
Abzug der Sowjetarmee haben sich die verschiedenen afghanischen
Clan-Führer
über die Zukunft des Landes heillos zerstritten. Die nationalen
Konflikte
zwischen der paschtunischen Mehrheitsbevölkerung im Süden und
den
Usbeken und Tadschiken im Norden des Landes taten ihr Übriges.
Schlecht
für den Bau von Öl-Pipelines: Mit einem instabilen und zudem
höchst
korrupten Regime konnte man nicht verhandeln. Die miteinander scharf
rivalisierenden
Ölkonzerne Bridas aus Argentinien und der US-Gigant Unocal
handelten
1994 erfolgreich Verträge über die Erschließung von
Ölquellen
und den Bau eines Verteilungsnetzes aus, so gab es z. B. Lizenzen mit
Turkmenistan.
Nur der Weg von Turkmenistan durch den Süden Afghanistans nach
Pakistan
war noch nicht gesichert. Die pakistanische Bhutto-Regierung
unterstützte
deshalb die Taliban und gewährte massive militärische Hilfe.
In
etwa einem Jahr waren sie von einer Handvoll Koranschüler zu einer
gut
organisierten Miliz geworden, die bis zu 20.000 Kämpfer mit
Panzern,
Artillerie und Luftwaffe aufbot und große Teile des
südlichen und
westlichen Afghanistans kontrollierte. Gleichwohl spricht einiges
dafür,
dass auch die Tötung von Massud auf die Kappe des ISI geht. Massud
war
einer der Führer jener sogenannten Nordallianz, die man jetzt
plötzlich
mehr oder minder militärisch unterstützt. Diese Allianz
besitzt
überhaupt keinen fortschrittlichen Charakter, besteht sie doch aus
jenen
reaktionären Mudjahedinkämpfern, die den Schleierzwang und
die Koranschulen
zuvor erst ermöglicht hatten. Die Behauptung, dass in den von der
Nord-Allianz
eroberten Gebieten die Frauen befreit und Andersgläubige tolerant
behandelt
würden ist nichts als blanker Hohn!
Es bleibt aber abzuwarten, wie weit die militärische
Unterstützung
seitens der USA und Großbritannien wohl gehen wird. Man ist nicht
an
einem gleichwertigen Partner interessiert, sondern allenthalben an
Handlangern
und politischen Marionetten. Die Erfahrung mit der UCK in Kosova haben
die
Amerikaner gelehrt, dass solche Hilfsregimenter oft eine Eigendynamik
entwickeln,
die zu unerwünschten Nebenwirkungen führt. Zur Errichtung
eines
Protektorats ist die Nord-Allianz einfach zu unzuverlässig. Bush
und
seine Mittäter erklärten schon mehrfach, dass sie auf die
paschtunische
Mehrheitsbevölkerung im Süden setzen. Konsequente
Unterstützung
dürfte die Nord-Allianz also nicht mehr erhalten,
schließlich handelt
es sich hier nicht mehr um einen "Proxy War", einen Stellvertreterkrieg
gegen
die nicht-kapitalistischen Staaten Osteuropas und Asiens, sondern jetzt
geht
es ans Eingemachte. Die Herren in Washington, London und anderswo
werden uns
bald breit grinsend erklären, dass man zur Vermeidung
humanitärer
Katastrophen noch sehr lange in Zentralasien bleiben müsse.
Saudi-Arabien gilt als eines der schärfsten islamistischen und
frauenverachtenden
Länder überhaupt. Amnesty International meldet für das
Jahr
2000 über 123 Hinrichtungen in Saudi-Arabien, es existieren weder
politische
Parteien noch Menschenrechtsvereine. 34 Amputationen wurden für
das letzte
Jahr gemeldet, davon waren sieben Überkreuzamputationen (der
rechten
Hand und des linken Fußes). Das alles störte die angeblichen
Vorreiter
für die Freiheit nicht: Fast 16 Prozent des gesamten
Rohölimports
beziehen die USA aus Saudi-Arabien. Dafür lieferten die
Vereinigten Staaten
seit 1950 Waffen im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar.
Auch Saudi Arabien leistete massive materielle und ideologische
Schützenhilfe
für die Taliban. Hierfür gab es zwei Gründe: Auf der
politischen
Ebene war die fundamentalistische Ideologie der Taliban nicht weit
entfernt
von der Linie der Saudis. Die Taliban standen der schiitischen Richtung
des
Islam feindlich gegenüber und waren somit auch Gegner des
größten
regionalen Rivalen der Saudis - dem Iran. Die wirtschaftliche Grundlage
dieser
Politik: Der saudische Ölkonzern Delta Oil war Partner bei der
Unocal-Pipeline
und setzte seine Hoffnungen auf einen Sieg der Taliban, um das Projekt
in
Gang zu bringen. Ein besonders pikantes Detail der
amerikanisch-saudischen
Beziehungen ist die Tatsache, dass der Ex-CIA-Chef und spätere
Präsident
Georg Bush senior enge Kontakte zur Familie Bin Laden unterhielt, einer
der
einflussreichsten Familien Saudi Arabiens. Auch sein Sohn George Walker
kam
aus geschäftlichen Gründen mehrfach mit dem Bin-Laden-Clan in
Berührung.
Es versteht sich von selbst, dass die guten finanziellen und
politischen Beziehungen
zu den Bushs und zur CIA auch Osama Bin Laden kaum geschadet haben.
Mehrfach
wurde im Medienterror der vergangenen Wochen erklärt, Al Quaeda
ließe
sich in etwa mit "die Basis" übersetzen. Über die weit
verzweigte
finanzielle Basis des Osamah Bin Laden und seinem Netzwerk in
Afghanistan
wurde jedoch kaum berichtet.
Noch in diesem Frühjahr erhielt Afghanistan von den Vereinigten
Staaten
finanzielle Mittel zur "Drogenbekämpfung". Trotz der
antiamerikanischen
Rhetorik und der Anprangerung der westlichen Dekadenz sicherten die
Taliban
die Unterdrückung der Völker Afghanistans. Damit konnte man
gut
leben - mindestens genauso gut wie mit dem pakistanischen
Militärstaat,
in dem man auf demokratischen Grundrechte ebenso pfeift. Der
gegenwärtige
Kurs Pakistans ist natürlich ein guter Nährboden für den
wachsenden
Einfluss der radikal-islamischen Parteien. Dies soll jedoch nicht zu
der Annahme
führen, dass heute die Polizeigewalt in Pakistan zu billigen ist.
Die
Motivation für das Aufbegehren vieler Protestierender mag
religiös
gefärbt sein, mag antiamerikanisch und eben nicht originär
antiimperialistisch
sein - trotzdem verurteilen wir das Vorgehen der Musharraf-Diktatur auf
das
Schärfste! Warum pochen die USA & Verbündete hier nicht
auf
die Einhaltung von Menschenrechten? Nun, warum sollten sie denn auf
"Freiheit
und Democracy" setzen, wenn sich die grausamen pakistanischen
Gefängnisse
prima mit Demonstranten füllen lassen, die gegen die
US-Intervention
protestieren?
Kampf der Kulturen?? Eine Unkultur frisst ihre Kinder!
Der für den Kampf gegen den "roten Bären"
gezüchtete
afghanische Kampfhund drehte durch; eine gefährliche Eigendynamik
kam
ins Rollen. Jene langbärtigen Geister die man rief, ward man nicht
mehr
los. Der viel beschworene fundamentale Gegensatz zwischen der
westlichen
Welt und islamischen Fundamentalisten existiert also nicht. Der
Aufstieg
des Islam ist im Wesentlichen ein Produkt der westlichen
"zivilisierten"
Welt. Dem jetzt exzessiv gebrauchten Aphorismus des rechten
Schreiberlings
Samuel Huntington vom "Kampf der Kulturen" halten wir entgegen: Hier
frisst
eine Unkultur ihre Kinder. Das größere Übel sind dabei
die
Eltern, jene vielgepriesene zivilisierte Welt. Kriegsgegner aus den USA
-
darunter viele Vietnam-Veteranen - brachten es mit ihren Schildern und
Transparenten
auf den Punkt: Die derzeit größte Terror-Organisation
weltweit
ist noch immer die US-Army! An der gegenwärtigen Entwicklung zeigt
sich
erneut, welch weitreichende globale Folgen die kapitalistische
Restauration
in Osteuropa für die gesamte Menschheit hat. 1989 wurde der
Großteil
der nicht-kapitalistischen Staaten von Rechts gestürtzt: Seit
dieser
Zeit kennt der Kapitalismus keine Barieren mehr, der durch die
nicht-kapitalistischen
Staaten repräsentierte Hemmschuh wurde ihm ausgezogen.
Zweiter Teil: Deutsche Waffen, deutsches Geld...
Durch die Existenz der nicht-kapitalistischen Staaten wurden
die zwischen-imperialistischen Rivalitäten bis in die
Neunzigerjahre
hinein gedämpft. Heute werden die vorhandenen Rohstoffquellen und
Absatzmärkte
neu verteilt. Ob das sehr heterogene "Anti-Terror-Bündnis"
dauerhafter
Natur sein wird, darf also bezweifelt werden. Der Spielraum für
Kooperationen
zwischen den verschiedenen imperialistischen Staaten ist vor dem
Hintergrund
immer rascher aufeinander folgender Krisen eng geworden.
Vor knapp mehr als einhundert Jahren haben deutsche und britische
Soldaten
unter deutschem Oberbefehl der Boxeraufstand in China niedergeschlagen
und
dabei Hunderttausende Chinesen massakriert. Es standen "deutsche und
britische
Interessen" in China und im Fernen Osten auf dem Spiel. Die
späteren
Erbfeinde im Weltkrieg Nummer 1 gingen hier gemeinsam vor. Dieses
Bündnis
hielt nicht lange. Die Interessen waren doch zu verschieden. Auch heute
dürfen
gemeinsam durchgeführte Militäraktionen im Rahmen der NATO
nicht
als harmonische Angelegenheit interpretiert werden. Der Krieg gegen das
serbische
Volk, der in seiner Konsequenz gerade auch ein Krieg gegen die Albaner
in
Kosova war, war nicht nur von gemeinsamen Interessen geprägt: Im
Vergleich
zu den Vereinigten Staaten ist das von Deutschland dominierte Europa
militärisch
noch zu schwach, um seine ganz eigenen geostrategischen Interessen
wirksam
durchzusetzen. Doch genau aus diesem Grund war die Kriegsbeteiligung am
Balkan
eine wichtige Unterrichtsstunde für den deutschen Imperialismus.
Bereits
zur Zeit des Boxeraufstands 1900 existierten Gemeinsamkeiten und
unterschiedliche
Interessen nebeneinander. Das einende Element war die Niederschlagung
des
chinesischen Aufstandes, an dem beide Seiten interessiert waren. Doch
damals
wie heute ging es ebenso sehr um ein Kräftemessen zwischen den
einzelnen
Rivalen gemäß dem Motto: "Was hat der andere drauf? Was
muß
ich noch lernen?"
Jetzt sagen nicht wenige sogenannte Friedensbewegte und Pazifisten,
dass die
Welt ein Gegengewicht braucht, eine "Balance auf Power", die den Amis
die
Stirn bietet und zusieht, dass die US-Cowboys nicht nach Belieben aus
der
Hüfte schießen. So amüsant Sprüche wie diese
klingen
mögen, so fatal sind sie in ihrer politischen Wirkung: Deutschland
ist
kein "armes kleines Würstchen", kein blind gehorchender Kraut, der
den
Amerikanern Nibelungentreue schwor. Nein, ein Blick auf die deutsche
Außenpolitik
verrät genau das Gegenteil. Nur bedarf es einer Portion Zeit und
Geschick,
ehe Deutschland militärisch wiedererstarkt ist - denn mühsam
ernährt
sich das Eichhörnchen. Ein geeignetes Instrument hierfür ist
die
rot-grüne Regierung: Die alte Koalition aus CDU/CSU/FDP wäre
bei
der fortschreitenden Remilitarisierung Deutschlands auf einen breiteren
Widerstand
gestoßen als die sogenannten "Antifaschisten" um Schröder
und Fischer,
die mit staatsmännischer Gelassenheit erklären konnten, warum
man
in Jugoslawien "ein zweites Auschwitz" verhindern mußte. Im
Hinblick
auf die Innenpolitik bot der Kosovo-Einsatz Deutschland eine
vortreffliche
Gelegenheit, die Köpfe der Menschen daheim wieder an das Bild
kämpfender
deutscher Soldaten zu gewöhnen. Im Augenblick schaden die rechten
Intellektuellen,
die deutschen Stammtische und die faschistischen Nazimörder in
einem
bestimmten Maß den deutschen Exportinteressen - dennoch
erfüllen
sie ihre Aufgabe: All diese Kräfte dienen als rechte Pressure
Group
der allgemeinen rassistischen Stimmungsmache. Die aufgeheizte Stimmung
wird
dann von Rot-Grün in neue repressive Gesetze wie das
"Anti-Terror-Paket"
übersetzt. Die Forderungen der konservativen Elite und die
Realpolitik
der rot-grünen Koalition ergänzen sich also. Ihre Differenzen
beziehen
sich ausschließlich auf die richtige Taktik gegenüber dem
US-Imperialismus
und den anderen imperialistischen Staaten. Appelle an die deutsche
Elite,
sie möge sich doch mehr zu Wort melden und mehr auf die eigenen
Interessen
achten, sind genau im Interesse des deutschen Kapitals.
Geostrategische Interessen
Aufgrund seiner geographischen Lage hat Deutschland seit
jeher
ein besonderes geostrategisches Interesse an Ost- und
Südosteuropa.
Dass diese Interessen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges nicht mehr
wahrgenommen
wurden, ist ein Ammenmärchen aus dem Reich nationalpazifistischer
Glückseligkeiten.
Ohne vorherige Absprache mit Großbritannien oder Frankreich
erkannte
Deutschland 1991 Kroatien und Slowenien als unabhängige Staaten
an. Dabei
unterstützte man die Politik des damaligen kroatischen
Staatspräsidenten
Franjo Tudjman: Die in der Krajina ansässigen Serben wurden erst
ihrer
demokratischen Rechte beraubt und später vertrieben, die Ermordung
tausender
Menschen im kroatischen Konzentrationslager Jasenovac im zweiten
Weltkrieg
geleugnet. Tudjman bezog sich dabei ganz bewusst auf die Tradition der
klerikalfaschistischen
Ustasa von Ante Pavelic und weckte damit bei vielen Serben unselige
Assoziationen.
Auch Slobodan Milosevic erfreute sich einer positiven Bewertung durch
die
deutsche Bourgeoisie, ehe ihm dieselbe bei Kriegsbeginn das Etikett des
Balkanhitler
verlieh. Als Milosevic 1989 in einem konterrevolutionären Akt die
Bergarbeiterstreiks
im mehrheitlich von den Albanern bewohnten Kosova mit Waffengewalt
beendete
und zehntausende von Albanern auf die Straße setzte, als er auf
dem
historischen Amselfeld in Kosova zusammen mit einer Million
nationalistisch
aufgepeitschter Serben Affront gegen die anderen Völker
Jugoslawiens
machte, lobte ihn die politische Kaste in Deutschland: Es hieß,
Milosevic
würde mit dem alten roten Filz aufräumen und wäre ein
Garant
für die Schuldenrückzahlung des Landes, das mit über 20
Milliarden
US-Dollar beim Internationalen Währungsfond und anderen
Kreditgebern
in der Kreide stand. Erst als er zu viele Eigenansprüche
anmeldete, wurde
die korrupte Milosevic-Clique fallen gelassen.
Dem deutschen Staate war die Politik der dummen nationalistischen
Führer
Jugoslawiens recht und billig. Ein in viele Einzelteile zerfallenes
Jugoslawien
sollte sich dem Diktat von Bonn bzw. Berlin leichter beugen. Die
völlige
wirtschaftliche Abhängigkeit tritt besonders in Bosnien zutage,
das ähnlich
wie Kosova ein De-Facto-Protektorat ist. Die Amerikaner fürchteten
ihrerseits
einen zu starken Einfluss Deutschlands auf dem Balkan; die Furcht vor
dem
neuen Konkurrenten führte in der Region zu einem verstärkten
Engagement
der USA. Ähnliches gilt für den französischen und den
britischen
Imperialismus, die den deutschen Kurs (bisher) zähneknirschend
unterstützten.
Natürlich ist der Zerfall Jugoslawiens nicht allein auf
äußere
Ursachen zurück zu führen. Doch der deutsche Alleingang bei
der
Anerkennung Sloweniens und Kroatiens war der Brandbeschleuniger
für
den jugoslawischen Bürgerkrieg. Und selbst die innerjugoslawischen
Probleme
waren zum Teil Resultat deutscher Außenpolitik. Bereits in den
Sechzigerjahren
übte Deutschland über die sogenannte "Arbeitsgemeinschaft
Alpen-Adria"
massiven wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf Jugoslawien aus
mit
dem Ziel, das Land über die Vergabe von Krediten wirtschaftlich an
den
Westen zu binden und damit langfristig zu schwächen (in den
Siebzigerjahren
startete die "sozialliberale Koalition" unter dem Leitspruch "Wandel
durch
Annäherung" eine ähnliche Politik gegenüber dem gesamten
Ostblock).
Zwischen 1992 und 1994 verkaufte Deutschland an Kroatien Waffen im Wert
von
320 Millionen Dollar. Zwar schließt das
Kriegswaffenkontrollgesetz der
Bundesrepublik Deutschland Rüstungsexporte an Länder aus, in
denen
"die Gefahr besteht, dass die Kriegswaffen bei einer
friedensstörenden
Handlung verwendet werden". Doch an "friedensstörenden Handlungen"
hat
es schon in Indonesien unter der Herrschaft von Suharto nicht gefehlt:
Nach
vorsichtigen Schätzungen kamen dort allein in den Sechzigerjahren
an
die 750.000 Menschen ums Leben. Zeitweise war hier die BRD - gleich
nach den
USA - der zweitwichtigste Waffenlieferant des Suharto-Regimes.
Der deutsche Mann am Bosporus
1952 wurde die Türkei NATO-Mitglied. Doch die
Zugehörigkeit
zur "westlichen Wertegemeinschaft" bedeutete für die Menschen in
der
Türkei nicht den behaupteten "Zuwachs an Demokratie und Freiheit".
Im
Gegenteil. Im Zuge des NATO-Beitritts wurde der Staatsterror praktisch
institutionalisiert.
Unter dem zusammenfassenden Namen "Gladio" existierten in vielen
Staaten geheime
NATO-Strukturen, deren Ziel unter anderem der "Kampf gegen den
Terrorismus"
war. In der Türkei wurde diese Organisation vorwiegend aus den
Reihen
der faschistischen "Grauen Wölfe" rekrutiert und hieß lange
Zeit
"Amt für besondere Kriegsführung" Der Name war hier Programm:
Bei
den "Terroristen" handelte es sich vorwiegend um Linksintellektuelle
und Arbeiterführer.
Mit deutschen Waffen und deutschem Geld im Namen deutscher Interessen
wurde
der wahre Terror gegen die kurdische Bevölkerung im Süden des
Landes
unterstützt: Über 30.000 Guerillas und Soldaten kamen ums
Leben.
Dazu ermordeten staatliche Sicherheitskräfte und Todesschwadronen
mehrere
Tausend kurdische Zivilisten - auch viele Frauen, Kinder und alte
Männer.
Menschen, die nicht einmal an bewaffneten Aktionen teilgenommen hatten,
mussten
Jahre, oft Jahrzehnte unter menschenunwürdigen Bedingungen im
Gefängnis
verbringen. Mehr als 3.000 Dörfer wurden vom Militär
niedergebrannt.
Die deutsche Bourgeoisie ist hier nicht allein am Bau und an der
Sicherung
von Ölpipelines interessiert: Mit Hermes-Bürgschaften
sicherte die
BRD deutschen Firmen deren Beitrag für das gigantische
Staudammprojekt
in Südostanatolien (GAP). Dabei nimmt man die Vernichtung
kurdischer
Dörfer in Kauf, um so die Kontrolle über das Wasser in der
gesamten
Region um Euphrat und Tigris zu erhalten. Den Imperialisten dient das
Land
nach wie vor als Brückenkopf zum Nahen Osten und nach
Zentralasien. Die
Türkei ist ein verlässlicher Partner - deshalb kommt auch
niemand
auf die Idee, diesen Staat wegen fehlender Menschenrechte
militärisch
anzugreifen (was wir aus anderen Gründen auch nicht fordern!). Der
deutsche
Michl und Uncle Sam wetteifern bis heute um die Gunst der Türkei.
Was
Waffenlieferungen an die Türkei angeht, rangiert Deutschland auch
hier
gleich an zweiter Stelle nach den USA; die BRD wird die traditionelle
Waffenbrüderschaft
mit der Türkei unter keinen Umständen aufs Spiel setzen. So
ist
es nicht verwunderlich, dass die Türkei durch Verbot und
Kriminalisierung
der PKK in Deutschland weitere tatkräftige Unterstützung
erfuhr.
Das gelegentlich zu vernehmende scheinheilige Klagen über fehlende
Menschenrechte
gehört dabei zum Repertoire kapitalistischer Staatskunst.
"Germoney" und der Iran
In der Türkei sind die Interessen des deutschen Kapitals
noch
mit einem starken US-Einfluss konfrontiert. Ausdruck für die
Konkurrenz
der beiden Großmächte waren auch Streitigkeiten innerhalb
der
diversen türkischen Regierungskoalitionen zwischen dem Lager der
Islamisten
auf der einen Seite und den Kemalisten auf der anderen. Ergebnis des
amerikanischen
Einflusses ist ein Mitte der Neunzigerjahre geschlossenes
Militärbündnis
mit Israel wohingegen der milliardenschwere Handelsvertrag zwischen der
Türkei
und dem Iran die außenpolitische Autorität Deutschlands
widerspiegelt.
Schlussendlich wünscht die BRD eine größere
Orientierung der
Türkei zum Iran.
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Iran und Deutschland blicken
auf eine
lange Tradition zurück - für Deutschland ist der Iran das
zweite
Scharnier zur eurasischen Erdölregion. Bereits Ende der
Dreißigerjahre
war das Deutsche Reich der wichtigste Handelspartner für Persien.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg wurde man zeitweise von den USA übertroffen,
doch
der amerikanische Einfluss nahm nach der "islamischen Revolution"
rapide ab.
Es bot sich hier ein Machtvakuum in welches das deutsche Kapital mit
aller
Macht hineindrängte. Schon 1994 waren über 180 deutsche
Firmen im
Iran aktiv. Deutsche Unternehmen investierten vor allem in strategisch
wichtige
Bereiche wie Rohstoffförderung und Hafenanlagen. So ist es nicht
weiter
verwunderlich, dass Deutschland der Hauptimporteur für den
iranischen
Markt ist. Vor allem Fahrzeuge und elektrische Maschinen gehören
zu
den wichtisten Importgütern. Von noch größerer
Bedeutung sind
jedoch die deutsch-iranischen Finanzbeziehungen, die dem Iran die
Zahlungsfähigkeit
gegenüber den westlichen Kreditinstituten garantieren: Das schafft
Möglichkeiten
für die Einflussnahme auf den Iran.
Der iranische Präsident Khatami hielt sich anlässlich seines
Staatsbesuches
im vergangenen Jahr einige Tage in Deutschland auf. Er führte
dabei Gespräche
mit verschiedenen Vertretern aus Wirtschaft und Politik. Zehntausende
von
Exil-Iranern aus ganz Europa sowie jüdische Organisationen
protestierten
gegen den Besuch Khatamis. Nur wenige Tage vor seiner Ankunft waren in
einem
antisemitischen Schauprozess zehn iranische Juden und zwei Moslems zu
langjährigen
Haftstrafen und Auspeitschungen verurteilt worden. Während des
Staatsbesuches
gab es in Deutschland verstärkte Sicherheitsvorkehrungen:
Demonstrationsverbote
wurden ausgesprochen, Flughäfen, Bahnhöfe und Autobahnen
wurden
streng kontrolliert.
Nur zeitweise waren die Beziehungen zwischen den beiden Ländern
wegen
des "Mykonos-Urteils" etwas getrübt: 1997 hatte ein deutsches
Gericht
den Iran praktisch des Staaststerrorismus für schuldig befunden
(iranische
Agenten ermordeten 1992 iranische Oppositionelle im Berliner
"Mykonos"). Doch
zu keinem Zeitpunkt waren die Rahmenbedingungen für die
wirtschaftlichen
Beziehungen beider Länder ernsthaft gefährdet. Der damalige
Außenminister
Kinkel beschwerte sich regelrecht darüber, dass das Berliner
Gerichtsurteil
die außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland
gefährden
könnte. Auch die antideutschen Proteste im Iran waren
außerordentlich
höflich und diszipliniert. Deutschland gewährt dem Iran
milliardenschwere
Hermes-Bürgschaften und setzt sich mit Nachdruck für Kredite
bei
der Weltbank ein. Außenminister Joseph Fischer behauptete dreist,
dass
sich alles, was sich gegen Khatami richtet, nur dessen konservativen
Gegenspielern
nütze und dem "Reformprozess" schade. Gleichzeitig verwies er auf
die
"freien Wahlen" im Iran. Wie üblich "übersah" Fischer die
Tatsachen:
Allein 1999 verzeichnete Amnesty International 165 vollstreckte
Todesurteile.
Mindestens 16 Menschen wurden Finger oder Hände abgehackt. Brutale
Polizeiüberfälle
und staatliche Folter sind allgegenwärtig. Oppositionelle
Parteien, die
sich nicht zum islamischen Regime bekennen, sind verboten. Khatami
übte
sich zwar des öfteren in vager Kritik an staatlicher Repression,
ruft
jedoch im selben Atemzug zur vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den
Konservativen,
ihren Richtern, Kerkermeistern und Henkern auf.
Wenn Khatami von "Reformen" redet, meint er damit "Reform der
iranischen Währung"
und "Schutz und Förderung ausländischer Investitionen durch
die
Garantie der Sicherheit investierten Kapitals" (Khatami). Konsequent
verwirklicht
würden dies eine soziale Katastrophe bedeuten. Bereits jetzt liegt
die
Erwerbslosigkeit nach inoffiziellen Schätzungen bei etwa 40
Prozent.
Und eines haben die "Reformer" vom Schlage Khatamis und die
radikal-islamistischen
Kräfte gemein: Beide fürchten die Macht der iranischen
Arbeiter
und Studenten. Das ist der Grund, warum Khatami letztes Jahr für
die
Unterdrückung der Studenten eintrat, von denen ihn viele als
Hoffnungsträger
sahen. Sobald die sozialen Spannungen sichtbar werden, rückt das
Establishment
im Interesse der Stabilität der kapitalistischen Herrschaft
zusammen.
An dieser Stabilität ist auch Deutschland massiv interessiert.
Für
die liberale Öffentlichkeit heißt es dann "kritischer
Dialog"
oder "aktive Einmischung". Im Sprachgebrauch der deutschen Finanzelite
bedeutet
das hingegen "Business as usual".
Unsere Solidarität gilt der iranischen Arbeiterklasse. Sie gilt
den iranischen
Frauen, die gegen das islamische Recht und gegen den Schleierzwang
kämpfen.
Wir appellieren nicht an die deutsche Regierung, für
Menschenrechte in
Nahost einzutreten!
Und noch ein Staatsbesuch
Die Karten im internationalen Machtpoker werden nicht erst
seit
dem Anschlag auf das World Trade Center neu gemischt. Bereits seit
einigen
Jahren zeichnet sich eine strategische Partnerschaft zwischen
Deutschland
und Russland ab: Bei seinem Deutschlandbesuch betonte der russische
Präsident
Putin, dass Europas wirtschaftliches Gewicht auch in der Weltpolitik
seine
Entsprechung finden müsste. Unter dem Beifall aller Abgeordneten
des
Deutschen Reichstags zu Berlin meinte er in seiner auf deutsch
gehaltenen
Rede: "Niemand bezweifelt den großen Wert der Beziehungen Europas
und
der Vereinigten Staaten - nur bin ich einfach der Meinung, dass Europa
sicher
und langfristig den Ruf eines mächtigen und real
selbständigen
Mittelpunkts in der Weltpolitik festigen wird, wenn es die eigenen
Möglichkeiten
mit den russischen ... vereinigen kann". Er beschwor die gemeinsame
Geschichte
Deutschlands und Russlands, indem er an die Prinzessin Sophie von
Anhalt-Zerbst
erinnerte, die als Katharina die Große, Zarin von Rußland,
in
die Geschichte einging. "Zwischen Deutschland und Amerika liegen
große
Ozeane, zwischen Russland und Deutschland aber die große
Geschichte".
Um einen allzu großen Antiamerikanismus zu vermeiden,
ergänzte
er: "Ozeane und Geschichte können nicht nur trennen, sie
können
verbinden". Der abmildernde Nachsatz fehlte aber am nächsten Tag
beim
Frühstück mit Regierungsvertretern und Journalisten: "Mit
Deutschland
eint uns eine große Geschichte, von Amerika trennt uns ein
großer
Atlantik". Er sagte Deutschland Öl- und Gaslieferungen im
Konfliktfall
zu und sprach ganz unverhüllt genau das aus, was sich das deutsche
Establishment
schon lange herbeiwünscht: Die Bescheidenheit, die sich
Deutschland
auferlege, sei seiner Stellung in Europa und in der Welt nicht
angemessen.
Er fuhr fort, dass kein Land ewig unter der eigenen Schuld zu leiden
brauche.
Er ermahnte Deutschland zu mehr Selbstbewusstsein in Umgang mit seinen
politischen
Partnern in Europa und jenseits des großen Teiches. Das ist
natürlich
genau das, was Schröder hören wollte: Er bedankte sich mit
der
überraschenden Ankündigung, dass "es in Bezug auf
Tschetschenien
zu einer differenzierteren Bewertung der Völkergemeinschaft kommen
muss
und auch sicherlich kommen wird".
Massenvertreibungen, Folter und Mord kennzeichnen die russische Politik
gegenüber
dem kleinen Tschetschenien; die mögliche Präsenz von
Bin-Laden-Anhängern
in Tschetschenien dient ihr als Rechtfertigung für das
völkermörderische
Vorgehen der russischen Armee mit über 40.000 Toten und 800.000
Flüchtlingen.
Russland gilt jetzt sogar als eine Art Vorreiter im Kampf gegen den
Terrorismus.
So gerechtfertigt der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan
war, so
ungerechtfertigt ist das Vorrücken russischer Soldaten in
Tschetschenien:
Sie repräsentieren einen kapitalistischen russischen Staat mit all
den
zu ihm gehörenden Eroberungsbestrebungen. Mit Hohn und Spott
überzieht
der russische Staatsterrorismus die tschetschenischen "Separatisten":
Nach
einem Telefonat mit Bush stellte Putin den Tschetschenen ein Ultimatum:
Sie
sollten sich entscheiden, auf welcher Seite sie im Kampf gegen den
Terrorismus
stehen wollen.
Unter der Decke der globalen "Allianz gegen den Terror" bemüht
sich gegenwärtig
jede große und kleinere Macht darum, ihre eigenen Allianzen zu
schmieden.
Die deutsche Regierung legt dabei eine ungewöhnliche
Betriebsamkeit
an den Tag. Bei der Achse Berlin-Moskau sieht sich Deutschland als
politischer
Kopf wohingegen Russland als hinsichtlich seiner Öl- und
Erdgasvorkommen
als Rumpf betrachtet wird. Ob sich Putin dauerhaft mit der Rolle als
Juniorpartner
zufrieden geben wird, muss sich noch zeigen.
Warum beteiligt sich der deutsche Imperialismus aktiv an der
"Anti-Terror-Allianz"?
Doch nicht erst seit dem Putin-Besuch, nicht erst seit der
Debatte über die Rede des rechtsgesinnten Schriftstellers Martin
Walser
gehört die Forderung nach einem selbstbewussteren Deutschland,
dass
stolz und aufrecht wie jede andere "normale Nation" nach vorne
schreitet,
zum guten Ton. In diesem Zusammenhang kündigte Schröder eine
grundlegende
Neuorientierung der deutschen Außenpolitik an: Deutschland habe
sich
nach der staatlichen Einheit und nach der Wiedererlangung seiner
Souveränität
in einer neuen Weise der internationalen Verantwortung zu stellen.
Deutschland
müsse sich auch an militärischen Aktionen beteiligen und
dürfe
nicht nur den Geldbeutel zücken, wenn es um die "Verteidigung
demokratischer
Menschenrechte" ginge.
Töne wie diese sind nichts wirklich Neues. Bereits
Außenminister
Kinkel log sich den Wunsch nach deutschen Truppen herbei bis sich die
Balken
bogen. Fast gebetsmühlenartig predigte er immer wieder aufs Neue,
wie
sehr sich die internationalen Partner doch den Einsatz deutscher
Truppen herbeisehnten.
Auch der geplante Einsatz deutscher Truppen im "Kampf gegen den Terror"
wird
von der amerikanisch-britischen Allianz nicht wirklich gewünscht.
Der
amerikanische Kriegsminister Rumsfeld erklärte diplomatisch, dass
man
über den deutschen Beitrag erfreut sei, konkrete Anforderungen von
deutschen
Soldaten habe es aber zu keinem Zeitpunkt gegeben. Diese Aussage
spricht
Bände. Dass Deutschland nun doch irgendwie mitmachen darf, hat
damit
zu tun, dass die USA zum gegenwärtigen Zeitpunkt weiteren
Alleingängen
Deutschlands mittels einer Einbindung vorbeugen möchten. Die
politische
Kaste in Deutschland wiederum gibt vor, dass man um das "Ansehen
Deutschlands
bei seinen amerikanischen Freunden" besorgt sei. Dabei werden
Beschwörungsformeln
wie "Solidarität ist keine Einbahnstraße" aus dem
Hemdsärmel
geschüttelt.
Es geht natürlich nicht um das abstrakte Ansehen Deutschlands bei
seinen
"Freunden" diesseits und jenseits des großen Teiches sondern um
die
Geltungssucht einer Großmacht, die um ihre eigenen Belange
besorgt ist.
Neben den bereits erwähnten Gründen (Gewöhnung der
deutschen
Öffentlichkeit an Kriegseinsätze, Sammeln von Erfahrungen bei
Auslandseinsätzen)
ist folgender Aspekt von entscheidender Bedeutung: Die herrschende
Klasse
in der BRD möchte nicht am Rand dabei stehen, wenn der
zentralasiatische
Kuchen verspeist wird, ergo klagt man von den 270 Milliarden Barrel
Erdöl
"seinen Teil" ein. Man muß die Dinge einfach beim Namen nennen:
Die
Beteiligung am Krieg ist - entgegen aller Beteuerungen des Kanzlers -
Ausdruck
der eigenen Interessen. Die deutsche Kriegsbeteiligung entspringt in
erster
Linie nicht der Solidarität mit den USA - und erst recht nicht der
Verbundenheit
mit der amerikanischen Bevölkerung. Im Gegenteil: Sie ist Folge
der Rivalität
zwischen Deutschland und den USA, den beiden stärksten "Global
Players".
Deshalb drängte Schröder mit aller Macht auf die
Bereitstellung
von 3.900 Bundeswehrsoldaten. Am 16. November stellte die
rot-grüne
Mehrheit im Reichstag dem Kanzler schließlich die gewünschte
Blankovollmacht
aus. Weder Gegner noch Einsatzgebiet noch Dauer der Aktion wurden
festgelegt.
Das Parlament beschloss in einem unter der Regie von Schröder
inszenierten
"Abstimmungskrimi" den größten Militäreinsatz seit dem
Zweiten
Weltkrieg.
Deutsche Truppen sind jedoch nicht erst seit kurzem an
ausländischen
Aktionen beteiligt: Um die deutsche Öffentlichkeit peu a peu an
die Präsenz
deutscher Soldaten im Ausland zu gewöhnen, erfolgte zunächst
der
Einsatz deutscher Truppen in Somalia im Rahmen eines
UN-Blauhelm-Einsatzes,
es folgte die Mission in Bosnien und der (eigentlich
verfassungswidrige) Angriffskrieg
gegen Jugoslawien. Heute haben deutsche Truppen in Mazedonien zum
ersten
Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges ein Oberkommando inne! Zur
Rechtfertigung
solcher Einsätze spricht man salbungsvoll von Freiheit,
Gerechtigkeit
und Menschenrechten. In Wahrheit geht es um die "Förderung und
Absicherung
weltweiter politischer, wirtschaftlicher, militärischer und
ökologischer
Stabilität" und die "Aufrechterhaltung des freien Welthandels und
des
Zugangs zu strategischen Rohstoffen". So drückte es
Generalinspekteur
Naumann in seinen 1992 verfassten "verteidigungspolitischen"
Richtlinien
der Bundeswehr aus. Bernhard von Bülow hatte 1897 im Reichstag
erklärt:
"Die Zeiten, wo der Deutsche dem einen seiner Nachbarn die Erde
überließ,
dem anderen das Meer und sich selbst den Himmel reservierte, wo die
reine
Doktrin thront - diese Zeiten sind vorüber. Wir wollen niemanden
in
den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der
Sonne."
Die jüngsten Ereignisse machen ganz unmissverständlich
deutlich,
dass der Zusammenbruch der nicht-kapitalistischen Staaten der
internationalen
Politik eine Rückkehr zu den Formen des ausgehenden 19. und des
beginnenden
20. Jahrhunderts ermöglicht. Wie wir gesehen haben, wechselten
sich damals
gemeinsame Aktionen mit heftigen Rivalitäten ab, bis es 1914 in
Form
des ersten Weltkriegs zu einer gewaltigen Explosion kam.
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